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Über uns

Sicheres Segeln und wenig Aufwand: Das nordische Folkeboot vereint alles, was das Segelerlebnis zur Freude macht.

Mit einem nordischen Folkeboot haben Sie gleichzeitig ein gemütliches Tourenboot und Sie können an aufregenden Regatten teilnehmen.

Auf unserer Homepage finden Sie alle wichtigen Informationen zu diesem Kultboot und lernen die Arbeit der Deutschen Folkeboot Vereinigung e.V. (DFV) kennen.

 

Wir sind der Zusammenschluss von Folkebootseglern aus ganz Deutschland und eine vom DSV anerkannte ausländische Einheitsklasse.
Ca. 800 Segler sind Mitglied in der DFV, Europaweit werden ca. 4.400 Nordische Folkeboote gesegelt.

In der DFV profitieren Sie als Mitglied von einem Netzwerk begeisterter Folkebootsegler, die Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, Probesegeln vermitteln, bei der Törnplanung helfen oder Sie mit dem Regattasegeln bekannt machen.

 

Herzlich Willkommen!


 

 

Unsere Ziele und Aufgaben

Die Deutsche Folkeboot Vereinigung verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke durch Förderung und Ausübung des Segelsports mit Nordischen Folkebooten auf Binnen- und Seerevieren (Regattasegeln und Fahrtensegeln).

Sie führt Trainingsmaßnahmen durch und erstellt Regattaterminkalender sowie Ranglisten.

Das Folkeboot unterliegt den Klassenvorschriften der Nordic Folkboat International Assosiation (NFIA), deren Umsetzung von unserem technischen Obmann überwacht werden.

Über unsere Website und die für Mitglieder viermal jährlich erscheinende Klassenzeitschrift 'FolkeNews' informieren wir über aktuelle Themen und Neuerungen rund um das Folkeboot.

 

Regionale Interessen der Mitglieder werden von Flottenbereichen wahrgenommen, aufgeteilt auf die Reviere, in denen Nordische Folkeboote gesegelt werden.

Wir pflegen enge Kontakte zu ausländischen Folkebootvereinugungen. Regelmäßig nehmen Seglerinnen und Segler an Regatten in Dänenmark, Schweden, Großbritannien und USA teil, ebenso sind ausländische Boote auf Regatten in Deutschland vertreten. Erstmals findet 2018 eine Internationale Deutsch / Dänische Meisterschaft statt.
 

Unsere Satzung

 

 

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Meer segeln mit dem Folkeboot - von Dänemark bis Norwegen

von Bernd Miller, KLEINER BLAUPFEIL, F GER 998

Nicht nur der KLEINE BLAUPFEIL F-GER 998, auch der alte T4-Pritschenwagen läuft und läuft...und hat uns wieder vom Bodensee über alle Berge nach Grenåa gezogen – unser schon bewährter Ausgangshafen am Meer (s. „Schtoinersegeln“ in der FN 4/14 und 1/15).

RB2018 F99811Wir segeln mit Stopp in Anholt über das Kattegatt nach Schweden – durch die Schärengärten und teilweise bei hoher Welle übers offene Skagerrak bis nach Norwegen, aber für Oslo war die Urlaubszeit zu kurz. Zurück über die Koster-Inseln – das Highlight der Reise! - wieder durch die Schären und über Læsø nach Dänemark zurück. In diesmal leider nur 4 Wochen haben wir fast 500 sm geloggt, davon 3 Std. mit 3,5 PS und 3 Std. im Schlepp vom WASSERMANN, die Comfortina 32 unserer Freunde Norbert und Josefine, die am Bodensee mit der F- GER 635 dabei waren.

Nachfolgend wieder einzelne Auszüge aus dem Logbuch:

Sa 1. Juli Grenåa - Anholt
Der Wetterbericht verspricht für heute ein kurzes segelbares Fenster im Gebläse und wir wollen nicht gleich zu Beginn der Reise versacken, sondern lieber für die nächsten Tage im Paradies Anholt eingeweht sein. Das bewährte Sturm-Groß ohne die Ausladung im Achterliek reicht für 5 bis 6 kn Marschfahrt völlig aus – bloß kein Streß gleich am Anfang! Bei herrlicher Sicht auf See und viel Platz im Hafen (24 Boote) bleiben Navy und Außenborder eingepackt. Dann der Schock am Steg: „Wo ist der Stecken (norddeutsch: Ausbaumer)?“. Beim Sicherheitscheck vor dem Lossegeln habe ich noch die Wanten abgetapet – vorher natürlich den Stecken gelöst … und liegenlassen. Krängung und Wellen haben den Rest erledigt. Der Frust wurde in handwerkliche Tätigkeit umgesetzt und ein möglichst gerader Eichenstecken musste geschnitzt, gesägt und mit kleinen Schäkeln bestückt werden. Erst kurz vor der IDM in Lindau habe ich ihn durch einen schönen neuen Stecken aus Bambus ersetzt. Zum Sonnenuntergang auf der Mole um 22:10 Uhr (!) Ist die Welt wieder in Ordnung.

So 9. Juli Lilla Kornö - Havstenssund
Wir sind schon um 7:00 Uhr fit und machen Frühstück auf dem Steg vor dem Boot in der Sonne mit der senkrechten Felswand im Rücken. Dann werden Karten gewälzt und Ziele gesteckt: maximal die südliche Koster-Insel Ramsö - mit 2 Alternativen unterwegs. Weil es viel gegenan zu kreuzen gibt, setzten wir Vollzeug – bei angesagten 4 bis 5 (max 6) Bft. nach Norden abflauend sollte das kein Problem sein. Gleich um die Ecke wird klar: falsche Entscheidung!- oder doch die richtige, weil wir gegen die Nordseewelle z.T. Nur 3 Kn laufen? Als wir aus der Abdeckung der Schären ganz raus sind, türmen sich Wellenberge auf, die wir bis dahin noch nie mit dem Folkeboot erklommen haben. Wir gehen auf Halbwind und ich habe echt Muffe vor dem Querschlagen und Vollaufen, was aber Dank der genialen Konstruktion nicht passiert – nur ab und zu eine ordentliche Pütz in`s Boot. Ich kann den Blick auf die Felsformationen um Smögen gar nicht richtig genießen. Vor uns taucht immer wieder der 10 m kleine WASSERMANN zwischen den Wellenbergen auf – wie verloren muß da erst das Folke aussehen? Beim krampfhaften Versuch, den kleinen Ausschnitt auf dem Kartenplotter mit einer der zahlreichen, alle gleich aussehenden Seekarten - alles blau, zwischendurch große Felsen und „Stoiner“ - in Deckung zu bringen, verliere ich die Orientierung und mir wird saumäßig schlecht! Besser, ich halte die Pinne fest und Isolde navigiert. Wir haben das Tuch getrimmt, wie ein Brett – der Traveller ist in Lee am Anschlag. Hier darf man sich nicht vorstellen, dass irgedetwas kaputt geht. Der im Meer auf einem Felsen stehende,von der Brandung umspülte Leuchtturm „Väcker“ weist den Weg in den geschützten Havstensund. Wir ändern den Kurs und surfen jetzt regelmäßig mit über 10 kn auf den Walzen – die Kämme fangen an zu brechen. Im Inneren der Schären beruhigt sich die See, aber wir rasen immer noch mit einem Affenzahn in den Sund. In einem Kolk vor der Engstelle kringeln wir und bergen die Segel – der Außenborder läuft auf den 1. Zug. Wir legen uns ins Päckle an den WASSERMANN am Steg. Später kommt ein norwegischer Collin Archer von 1880 mit gebrochener Saling an den Steg. Sie haben tagelang eine Oldtimer-Regatta geführt und mussten aufgeben – Reparatur geht vor.

Am nächsten Morgen kommt kurz vor 8:00 Uhr die Bedienung vom Schiffsladen mit wehendem Haar und Zahnbürste im Mund mit Vollgas mit dem Außenborder um`s Eck geschossen – nur im Zenith der Steilkurve wird die Zahnreinigung kurz unterbrochen – just in Time!

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Di 11. Juli – Strömstad - Skjaerhalden
Nachdem ich gestern Abend mit meinem seit der Studienzeit gehegten Reiseziel „per Boot nach Norwegen“ so kurz vor der Grenze alle Mitsegler überzeugen konnte, mussten wir neben dem üblichen Proviant Bunkern noch zwei Norwegische Gastlandsflaggen auftreiben....Draußen nähern wir uns einem unsichtbaren, bodenseetiefen Graben, der die Seegrenze zwischen Schweden und Norwegen bildet. Bei 58°58,5` nördlicher Breite kippt Isolde einen Schluck Sherry über Bord und ich setzte die Flagge. Von Norwegen haben wir nur sehr dürftige Hafenliteratur auftreiben können und wählen einen Ort am Ufer, wo der Plotter zumindest Stege anzeigt. Wegen der massenhaften „Stoiner“ und Untiefen segeln wir in einem großen Bogen den in der Karte vorgeschlagenen Leuchtturm- und Tonnenweg und finden nach der traumhaften Einfahrt die Marina „Skjaerhalden“ auf den Insel Kirköy mit vielen freien Plätzen. Wegen der erstmals auch nach unten gestaffelten Preise ist das Folkeboot heute nicht länger, als 7,5 m. Beim Stadt- bzw. Dorfbummel gibt`s megagroße „Eiskugler“ und wir finden einen tollen Aussichtsweg zum Leuchtturm. Dann gibt`s Bier, gebratenen Dorsch mit Pellkartoffel, Salat, Rotwein....

Mi 12. Juli – Skjaerhalden – Vettnet (Nord-Koster)
….Richtung Süden geht es nach nur 9 sm Rauschefahrt mit Rumpfgeschwindigkeit nach Nord-Koster. Die gesamte Inselgruppe ist ein Naturreservat. Bei der tagesfüllenden Wanderung von dem malerischen Fischerdorf Vettnet um die Insel bietet jeder Blick auf`s Meer völlig neuartige, andere Landschaftsbilder: Im Osten bewachsene Schilfbuchten, im Norden der Sandstrand mit den Felsformationen, im Westen die riesige eiszeitliche Endmoräne „Klapperstenfeld“. Auf dem Rückweg geht es durch einen Kiefernwald mit eigenartigen dickborkigen Birken und Eichen mit riesigen Blättern, bevor wir am Kostersundet in ein Touri-Kaff mit 5-er Schiffspäckle eintauchen. Da haben wir mit unserer Bucht neben Saltholmen die bessere Wahl getroffen. Nur der Nord-Wind zerrt am Anker und später zieht ein Gewitter durch, das den Himmel und die Felsen nacheinander in allen Farben leuchten lässt.

RB2018 F99817Do 13. Juli – Vettnet (Nord-Koster) – Ursholmen (Süd-Koster)
….Wir segeln ohne Welle in den geschützten Schärengärten und können schon von weitem die zwei Leuchttürme von Ursholmen sehen – wir müssen allerdings noch durch ein Labyrinth aus Felsen – auf einem davon räkeln sich zahlreiche Robben. Wir segeln eine große S-Kurve, schleichen uns erst von Osten an, dann von Norden zur einzig möglichen Einfahrt zwischen den Steinen. Wo es genau reingeht, sieht man erst auf den allerletzten Augenblick. Zum Überblick fährt das Kursdreieck auf der Seekarte mit – die Feinsteuerung geht nur mit dem Plotter. Nie wären wir da sonst reingesegelt! Nach dem Einprägen der Untiefen im Kolk zwischen Innre und Yttre Ursholmen kommt der Plotter weg - die Segel runter – der Motor an – Lücke am Fels peilen, - Anker im Abstand 25m + Bootslänge fallen lassen – Einbremsen und Landverbindung an Felshaken herstellen. Die Insel ist in vieler Hinsicht extrem faszinierend und zusammen mit Nord-Koster das Highlight der Reise! Die wollsackverwitterten Gneisfelsen mit Schleifspuren aus der Eiszeit, die dunklen Diabas-Streifen mit Zerfall in Riesen-Würfel, die tiefen Schluchten, die „Bolderfields“ mit runden Steinen aus Oslo, die Hofsiedlung mit den Kartoffel-Stein-Iglu-Mauern. Als Krönung auf der Aussichtshöhe die Leuchttürme – extra doppelt, damit man sie als einzigartig erkennt. Draußen, außerhalb der Schärengärten hat sich die Dünung im Skagerrack aufgebaut. Die äußeren Felsen bekommen die volle Breitseite ab und gischten – ein gigantischer Ausblick bis an die lange norwegische Küstenlinie!

Di 18. Juli – Kungshamn - Rörö
….Wir sind nicht die einzigen, die zwei Tage eingeweht waren und jetzt wegen der alten Nordseewelle innen durch die Schären wollen. Es geht teilweise zu, wie auf der Autobahn – mit rücksichtsvollen und auch -losen Motorbratzenfahrern. superinteressante Strecke, die aber volle Konzentration erfordert. Die höchste Stufe im Plotter ist nötig, um zu entscheiden, welcher Fels wo umsegelt wird – da geht leicht der Überblick verloren – es geht hier viel zu schnell, aber mit Glück bleibt alles heil. Auf dem offenen Seestück nach Marstrand segeln wir mit der alten Welle mindestens Rumpfgeschwindigkeit.

Fr. 21. Juli – Læsø - Bønnerup
Kaum sind die Tücher oben, fängt es wieder an zu Pissen – wir haben eine weite Strecke hart am Wind vor uns und der Wetterbericht sagt 8 - 10 m/s Richtung Süden nachlassend voraus, das sind 5 Bft. Daher der Fehler mit Vollzeug – hätten wir nur...Der Wind alleine wäre ja gar kein Problem – Böen mit 7 - 8 Bft gehen auch mit weggetrimmten Segeln, aber die Brecher gehen jetzt immer wieder über alles drüber und sind auf die Dauer zermürbend. Das Schiebeluk würde auch bei einem Strahl aus dem Feuerwehrschlauch nicht mehr abdichten. Das Salzwasser läuft an der Leedecke über`s Schwalbennest auch in meine nach vorne gerückte Matratze. Dann 2 mal hintereinander ein lauter Knall und das Achterliek vom Groß klingt mit 2 Segellatten weniger wie ein Hubschrauber. Ich muss es etwas dichter nehmen, damit es nicht zerfetzt – das gibt aber einen Ruderdruck, bei dem ich fürchte, dass die Pinne bricht. Mit dem Sturmgroß wäre alles besser...Ich kann auch nicht weg von der Pinne, weil ich sonst sofort das Kotzen kriege. Also stoisch über Stunden – zig Stunden durchhalten. Seeleute müssen geduldig und zäh sein! Die physische und psychische Anstrengung ist sehr groß – wenn was kaputt geht, haben wir ein massives Problem. Alles hält aber und als die Windmühlen von Bönnerup in Sicht kommen, nimmt die Windstärke und die Wellenhöhe ab – wir telefonieren mit der Besatzung vom Wassermann – die haben wegen der Untiefen über 70 sm geloggt und kommen ¼ Std. später an. Der Hafen ist genial – 2 Vorbecken zum Segelbergen, 2 weitere Einfahrtsbuhnen und dann erst die Steganlage (da hat es wohl öfters Wind). Vor dem Abendessen noch die notwendigsten Drainagearbeiten – wir sind nach über 11 Stunden völlig erschöpft. Trotz mehrfachem Auspumpen der Bilge unterwegs ist nicht nur das Gemüsefach, sondern auch das Batteriefach eben voll mit Salzwasser – das Ladegerät ist gehimmelt. Jetzt läuft unser Elektro- „Öfele“ auf Vollgas.

 

RB2018 F99803Mi. 28. Juli – Lindau - Nonnenhorn
Nach dem Einkranen in Lindau am Bodensee will mein 81-jähriger Vater trotz Starkwindwarnung wie immer mit zum Heimathafen Nonnenhorn. Wir segeln waschbord, spitzen mit dem Bug in die zu kurzen Wellen ein, die Gischt spritzt über`s Deck und Horst fragt, wozu wir denn an`s Meer fahren. Vielleicht lassen die Bilder den Grund erahnen.

 

Bernd Miller
F GER 998 Kleiner Blaupfeil

Rügen oder Fyn

Vom Frust und Sonnenschein

Donnerstag 05. Juli: Gerade haben Ina und ich die Kinder zur Kinderbetreuung gebracht, jetzt sind mein Weib und meine Schwiegermutter mit einem Schwung dreckiger Kinderklamotten zur Waschmaschine unterwegs. Es regnet in Strömen, Lufttemperatur 15° C, Wasser 17°. Leicht frustriert sitze ich in unserem Appartement der Wasserferienwelt und blicke auf Vilm, die ehemalige Parteibonzeninsel. Das mitgenommene Folkeboot von Opa Klausi zerrt bei heftigen Schauerböen an den Leinen und hat eigentlich momentan nur einen Sinn: Regensammler!

Wie war das? Wer einmal nach Rügen kommt, will nirgendwo anders mehr Urlaub machen; so steht es im Merian-Heft über die Insel… Da denke ich doch lieber drei Wochen zurück, an einen schönen Kurztrip mit meinem Folkeboot. Statt einer Woche Regen hatten wir sieben Tage schönsten Sonnenschein, Flaute statt Sturm und dänischen Frohsinn statt muffeliger Rüganer. Aber erstmal von vorn:

Nach problemloser Trailerei kranen wir am Mittwochmorgen bei Henningsen und Steckmest in Kappeln an der Schlei ein, stellen die Segelstange, holen zollfreie Zigaretten und Spirituosen und schon sind wir auf dem Weg. Der neue 4PS-Viertakter von Mercury schiebt uns aus der Schlei, während Peter und ich uns dick mit Sonnenschmatze einschmieren. Der Stern brennt gnadenlos vom Himmel und lässt den hinter Schleimünde zubereiteten Mount Gay-Cola schnell seine Wirkung tun. Da man auf einem Bein schlecht stehen kann, gibt es zur Gulaschsuppe aus der Dose gleich noch einen. Noch immer brummt der Außenborder, entweder kein Wind oder Fast-Flaute aus Nordost, genau da wollen wir aber hin. Querab der Nordspitze von Ärö gibt es endlich ein bisschen Wind. Hoch am Wind können wir so Avernakö anliegen.

Vor dem Hafen sollen eigentlich zwei grüne Tonnen liegen, die den Weg in den idyllischen Hafen weisen. Wir sehen im Gegenlicht der schon tief stehenden Sonne leider nur eine. Nur unter Groß halten wir trotzdem auf den Hafen zu. Rumms, wir sitzen bombenfest auf hartem Sand. Trotz Kränken und Außenborder Vollgas rückwärts keine Chance. Selbst aussteigen und schieben hilft nicht!
Zum Glück kommt ein etwas hausbacken wirkendes Stahlschiff aus Kiel und wirft uns an einer Schwimmweste eine dicke Schleppleine herüber. Die kräftige Maschine unseres Retters befreit uns im Nu aus der misslichen Lage. Zur Belohnung laden wir die Crew zu einem kleinen Umtrunk in unser Cockpit. Es wird ein recht lustiger Abend, der allerdings schon früh zu Ende ist. Die ersten drei Schachteln Prince Denmark, eine Flasche Mount Gay und eine halbe Flasche Gin sind lenz, das reicht auch fürs Erste.

Am nächsten Morgen weht der Wind mit 2 - 3 Bft aus ENE, wieder genau auf den Kopf. Also Segel hoch und Kreuz in den Svendborgsund. In Troense belohnen wir uns mit einem dicken Eis für rund 40 Wenden im engen Teil des Sundes, laufen dann aber schnell wieder nach Svendborg zurück, wo wir im Stadthafen einen schönen Liegeplatz unweit von Bendixen's Fischbude ergattern. Die eigene Küche bleibt heute kalt, es gibt Schollenfilets mit Pommes und reichlich Remoulade vom Fischhöker.

Freitagmittag sollen sich in Svendborg viele Holzwürmer zu einer vom Freundeskreis Klassischer Yachten (FKY) organisierten Sternfahrt treffen, dafür wurde die gesamte nördliche Pier im Stadthafen gesperrt bzw. reserviert. Wir verholen deshalb schon am frühen Morgen in diesen Bereich, damit wir auf jeden Fall noch eine Steckdose für unseren schwarzen Festmacher finden. Bis Mittag haben wir erst einen Nachbarn, das sieht nach einer eher trüben Party aus. Glücklicherweise gibt es am Nachmittag eine Besichtigung auf der Ring-Andersen-Werft, die für etwas Kurzweil sorgt. Bis zum Abend sind zwölf Boote eingelaufen, die Crews verteilen sich über ein paar Boote zu kleineren Bordparties. Wir haben Glück, Eike und Britta, die beiden einzigen Damen unter 40 sitzen bei uns auf dem Boot und tragen mächtig zur Leichterung unserer Bacardi-Vorräte bei. Es hätte noch ein netter Urlaubsflirt werden können, wenn da nicht Horst, der Papi von Britta ins Spiel gekommen wäre. Er amüsiert sich köstlich über die Songs von Matrose/Segelmacher Frank Schönfeld und trinkt mir meinen guten Whisky weg. Um halb zwei schließt die Bar, schließlich haben wir noch ein paar Tage vor der Brust.

Für Samstag steht eine weitere Werftbesichtigung an, diesmal bei der berühmten Walstedt-Werft im Thurö-Bund. Walstedt genießt einen exzellenten Ruf für die Restaurierung von Holzyachten. Auch etliche Folkeboote - unter anderem Haymo Jepsens "Sundari" - wurden hier grundüberholt. An der Pier liegen ein top-restaurierter Zwölfer und die "AR" von Tom Nitsch, dem bekannten Segelfilmemacher. Tom sitzt im Cockpit und liest gemütlich die Zeitung, als der von Sonja Walstedt geführte Tross von Schaulustigen vorbeiflaniert. Es wird viel gefachsimpelt, das Kernthema ist immer wieder - welcher Lack bei welchen Temperaturen und ob und wie verdünnt. Walstedt empfiehlt RYLARD, einen italienischen Einkomponenten-Lack, der "so ist, wie Epifanes mal war"…
Nach einem kurzen Bad im Thuröbund machen wir uns auf den Rückweg nach Svendborg, wieder mit Horst im Schlepp, der auf seine beiden Mädels aufpasst. Auch er geht baden, hat aber wohl nicht bedacht, dass es nicht ganz einfach ist mit mindestens hundertzwanzig Kilos und ohne richtige Badeleiter wieder an Bord zu kommen. Mit einem an den Traveller geknoteten großen Palstek und Hilfe von Britta und mir kommt er dann doch irgendwie wieder aufs Boot.
Der am Abend empfangene DWD-Wetterbericht verspricht für Sonntag umlaufende Wind bzw. ganz leichten Nordost, deshalb beschließen wir um 22:00 Uhr auszulaufen um wenigstens noch ein paar Meilen mit der Abendbrise nach Norden zu segeln. Wir schaffen es nur bis Lundeborg und selbst bei diesem Kurztrip muss der Außenborder noch mithelfen.

Am nächsten Morgen erdrückt uns die Hitze schon um halb acht. Schnell laufen wir aus und frühstücken im Cockpit, kein Problem, wenn der Jockel läuft. Zum Glück haben wir einen vergleichsweise leisen Viertakter gekauft, der mit einem Verbrauch von unter einem Liter in der Stunde bei fünf Knoten Fahrt außerdem noch sehr sparsam ist. So motoren wir Stunde um Stunde und passieren erst die Brücke über den Großen Belt, dann Kerteminde, die Nordspitze von Fyn, Ballen auf Samsö, um schließlich in Langör auf Samsö festzumachen. In der Bucht kurz vor dem Hafen binden wir ‚Ultima Ration’ an einer dicken gelben Tonne an und nehmen ein herrlich erfrischendes und ausgiebiges Bad im nun schon 21° C warmen Ostseewasser.

In Langör hat die Saison noch nicht begonnen, selbst der Hafenkiosk ist noch im Winterschlaf. In dem sonst oft überfüllten besonders idyllischen Naturhafen gibt es freie Liegeplätze ohne Ende. Für Kurzweil sorgen einige brütende Seeschwalben direkt neben der Mole, die ihre Nistplätze unter vollem Einsatz verteidigen. Wütend stürzen sie sich im Sturzflug auf jeden Passanten und schrecken selbst vor dem Einsatz von C-Waffen nicht zurück. Peter hat jedenfalls einen dicken Vogelschiss auf dem Arm, als er am Toilettenhäuschen ankommt, eine herrliche Schmiererei. Da keine Möglichkeiten zum Frischproviantkauf bestehen, gibt es zur Abwechslung - wie schon auf Avernakö - mal wieder Bratkartoffeln. Zur besseren Verdauung machen wir noch einen kleinen Spaziergang am Wasser entlang und freuen uns an der fast unberührten Natur.

Auch der nächste Tag ist sonnig und flau, so langsam beginnt die Motoritis zu nerven. Hilft aber nichts, anders kommen wir nicht nach Arhus, dem eigentlichen Ziel dieser Reise. Unterwegs dorthin nehmen wir wieder ein Bad in der Ostsee, die hier unglaubliche 24° Wassertemperatur hat. Im Anschluss gibt es FKK an Deck, damit auch die sonst weißen Stellen mal Farbe bekommen. Pit wird beim Sonnenbad auf dem Vorschiff vom Schwell einer Katamaran-Schnellfähre, die uns in sehr knappen Abstand passiert, völlig überflutet. Diese Mistdinger sollten verboten werden!

In Arhus mieten wir uns erst einmal ein paar Fahrräder und erkundeten die Stadt. In der Fußgängerzone gibt es viel zu bestaunen, egal ob nette Geschäfte oder auch dänische Schönheiten in zum Teil recht schrillem Outfit. Als brave Seeleute widmen wir uns dann aber doch lieber der Kultur und besuchen das wunderschöne Freilichtmuseum "Gamle By", unweit der City. Hier wurden zirka sechzig alte Gebäude aus ganz Dänemark liebevoll grundsaniert und zu einer "hyggeligen" Kleinstadt im Stil des frühen 19. Jahrhunderts zusammengefügt. Man kann viele Werkstätten und Läden besichtigen, in denen zum Teil zeitgenössisch gearbeitet wird. Auf den Kopfsteinpflaster-Sträßchen fahren noch Kutschen und in den Hinterhöfen laufen glückliche Hühner und Gänse umher. Wenn nicht hinter der Stadtmauer ein paar Hochhäuser mit voll verglasten Fassaden stehen würden, könnte man wirklich die Zeit vergessen.

In einem australischen Steakhouse gönnen wir uns ein feistes Mahl. Auch wenn hier Steaks bis zu 2.000 Gramm (!!!) geboten werden, bleiben wir etwas bodenständiger und begnügen uns mit 300 bzw. 500 Gramm, auch das macht uns satt und träge. Zurück an Bord erfreut uns ein Absacker aus der Transitlast und die Freude über den für den nächsten Tag angesagten West bis Nordwest mit 4 bis 5 Bft.

Gut gelaunt stehen wir am nächsten Morgen auf, es pfeift tatsächlich aus West. Schnell machen wir uns auf den Weg in die City um dort zu frühstücken und um die Drahtesel wieder abzugeben. Gegen elf Uhr machen wir uns auf den Heimweg, Ziel Middelfart im kleinen Belt.

Mit südlichen Kursen und Rauschefahrt geht es zunächst raumschots aus der Arhusbucht. Da wir ab Hov höher ran müssen, stecken wir vorsichtshalber ein Reff ins Großsegel. Noch immer zeigt die Logge in den Böen sieben Knoten an, also schnell genug. Leider flaut der Wind schon wenig später deutlich ab und dreht auf West. Noch kommen wir mühelos mit einem Anlieger über die Flachs rund um Endelave. Querab Juelsminde flaut der Wind noch mehr ab und dreht weiter auf Südwest, schon wieder von vorn! Mühsam kreuzen wir gegen Wind und Strom in den kleinen Belt. Gegen 20:00 Uhr kommen wir ziemlich platt in Middelfart an. Wir finden einen Platz neben einem freundlichen Dänen und bauen zum ersten Mal die neue Kuchenbude auf, weil es nach Regen aussieht. Anschließend gehen wir in einem Café in der Nähe des Hafens zum Essen und genießen den wunderbaren Blick auf den Belt.

Die Langfristprognose des DWD verheißt für die nächsten Tage nicht viel Gutes. Wieder Winde auf den Kopf und zudem noch im Überfluss. Insbesondere am letzten geplanten Segeltag soll es mit Südost 8 - 9 richtig viel Wind aus der falschen Richtung geben. Nun ist eine Planänderung erforderlich. Statt in kürzeren Etappen und Abstecher nach Flensburg bis Samstag nach Kappeln zu segeln, wollen wir nun schon am Donnerstag - also übermorgen am Ziel sein.

Tapfer kreuzen wir am Mittwochmorgen bei schwachem Wind gen Westen und später nach Südwesten. Gerade als ich Pit beim Passieren des Aarösunds von den garstigen Windverhältnissen beim Goldpokal vor einigen Jahren erzähle, wird uns gleich eine ganze Herde junger Kühe ins Segel geworfen. Eine kräftige Schauerböe präsentiert uns gleich gute 6 Bft; verbunden mit einer leichten Rechtsdrehung des Windes entsteht innerhalb von wenigen Minuten eine kleine gemeine und chaotische Welle, die nicht zur aktuellen Windrichtung passt. Pit gibt sich alle Mühe, die kleinen Dinger so gut wie möglich auszusteuern, trotzdem kommt ab und an grünes Wasser über Deck und findet den Weg durchs Schiebeluk auf die Polster. Na klasse!

Der Regen hält bis zum Eingang in den Alsen Sund und spült unser Ölzeug kräftig mit Süßwasser. Danach reißt es auf und flaut ab. Trotzdem schaffen wir es noch bis Sonderburg, wo wir im Stadthafen an einer Comfortina längsseits gehen. Vor uns liegt ein Traditionssegler aus Kiel, dessen Crew auf der Pier gegrillt hat. Offensichtlich waren die Augen größer als die Mägen, jedenfalls werden die Jungs nicht allein mit ihren Fleischmassen fertig. So werden wir zum Mitessen eingeladen, also wieder keine Spaghetti Bolognese. Das in Middelfart gekaufte Hackfleisch wird deshalb zu Frikadellen verarbeitet.
Zum krönenden Abschluss des Tages lenzen wir die verbliebenen Reste aus unserer Transitlast und bauen das Heimkino unter der Kuchenbude auf. Es gibt James Bond in Dolby Surround über die Bordlautsprecher. Prima!

Am Donnerstag, unserem letzten Segeltag, kommt dann tatsächlich unser Drachen-Spinnaker aus dem Sack. Klasse Segel, doch leider dreht der Wind schon kurz nach dem Setzen so ungünstig, dass wir das Ding wieder bergen müssen. Aber wenigstens war die Anschaffung von neuen Blöcken, Schoten und Fall nicht völlig umsonst.

Als pflichtbewusste Bundesbürger setzen wir beim Eintreten in deutsche Hoheitsgewässer unseren Zollstander. Bei Schleimünde treffen wir prompt einen Zollkreuzer, der uns allerdings unbehelligt lässt. Auch der Zöllner in Kappeln wirft nur einen kurzen Blick in unser Anschreibebuch und entlässt uns ohne Kontrolle an Bord. So sind wir dann am frühen Nachmittag wieder bei Henningsen & Steckmest und bereiten uns auf das Auskranen vor.

Vor der Heimfahrt an die Möhne besichtigen wir noch ein von den Steckmest-Söhnen in liebevoller Kleinarbeit restauriertes Folkeboot aus den 50er-Jahren, das in den nächsten Tagen getauft wird. Es ist eine echte Augenweide und weitestgehend im Originalzustand.

Rückblickend hatten wir irrsinniges Glück mit dem Wetter, irre viel Spaß, aber dafür leider meistens keinen oder wenig passenden Wind. Trotzdem allemal besser als Rügen bei Regen. Vor meinem nächsten Urlaub auf Rügen werde ich wohl doch noch mal rund Fyn segeln, am liebsten wieder mit Peter, weil’s so entspannt ist.

Es grüßt vom verregneten Rügen
Kiki (F-GER 1033)

Weiter in die Karibik ...

10. Dec 2007 13:16
Position: 16:52N, 44:50W

Wie aufregend, wir haben den Punkt passiert, von dem aus es nur noch 1000 Meilen zu segeln sind! Heute um 12:00 GMT waren es genau noch 949 nm zwischen uns und St. Lucia, und es wird konstant weniger, weil wir derzeit gut vorankommen (heute einmal mit 12,7 Knoten gesurft), und zwar in akzeptablen Bedingungen (schon tagelang keine 40 Fuß Welle mehr gesehen). Unsere Fischerei ist weiterhin enttäuschend, und ich muss weiterhin auf meinen ersten Tunfischschmaus warten. Meine Bemühungen waren nicht erfolgreicher als die des Skippers, obwohl sie eindeutig mehr Flair und Stil hatten. Das negative Resultat lag einfach an der schlichten und absoluten Abwesenheit von Fisch, keineswegs an schlechter Technik.


12. Dec 2007 14:15
Position: 16:48N, 49:45W

Die See bemüht sich endlos, uns mit ewigem Rollen wahnsinnig zu machen. Ansonsten ist es ganz nett, die Sonne scheint, es sind nur wenige Wölkchen am Himmel, es muss wohl 30 Grad warm sein, und wir schäumen mit 6 Knoten dahin. Die Schauerböen, von denen beim Briefing vor der Abfahrt gewarnt worden war, waren bisher recht kurz und handhabbar, indem wir eben eine Zeitlang von Hand steuerten und im sintflutartigen Regen triefnass wurden, eigentlich ganz lustig, wenn es nicht zu lange dauert. Nur zwei Umstände trüben etwas unsere Stimmung: Erstens, wir haben noch nicht einen einzigen Wal gesehen (soweit kein Problem für mich, ich stelle mir so ein Treffen sowieso erschreckend vor, doch der Skipper scheint sehr enttäuscht ob so großer leviathanischem Desinteresse an uns); und zweitens müssen wir wohl zugeben, dass wir doch nicht die brillanten Seeangler sind, nach denen wir nach unserem ersten Anfängerglück aussahen. In vier Tagen Angeln haben wir bis heute nur Sonnenbrand gefangen, und das wo andere Boote angeblich regelmäßig Monster aus dem Wasser ziehen. Vielleicht sind wir einfach zu schnell. Oh, ich könnte wirklich so ein Tunfischsteak vertragen!


15 Dec 2007 19:57
Position: 15:43N, 58:02W (nur noch 180 Meilen vor uns!)

Wir sind fast da und die Emotionen gehen hoch (freilich in einer würdigen, männlichen Art. Wir sind erregt, aber wir sind jetzt nicht am Weinen oder so). Gleichwohl bin ich recht geprüft worden im Ertragen einer gewissen Hybris, aber ich will nur soviel sagen: jetzt wollen wir es beenden so rasch wie möglich! Hybris bitte aufs Wetter beziehen: Wir haben gelitten! Habe ich geprahlt, die Regenböen wären nur kurz und fast spaßig? Ich nehme es zurück. Ich nehme überhaupt alles zurück! Es hat die letzten 48 Stunden geregnet, und wir haben die Sonne nur in kurzem Aufleuchten zwischen den Wolken gesehen, bevor die schwarzen Wolken wieder kamen, und schon waren wir wieder nass. Die Tropenprospekte der Reisebüros sollten um ein Kapitel erweitert werden, das beschreibt, wie nass, nass, nass und häufig hier der Regen ist. Wieder einmal fühle ich mich vom Skipper etwas betrogen. Auf meine Fragen, wie denn wohl das Wetter zu erwarten sein würde, hatte er stets geantwortet: „ach einfach typisches, tropisches Wetter“. Für mich, unbeleckt von globaler Meteorologie, hatte das klasse geklungen - jetzt fühle ich mich grob hinters Licht geführt. Wenigstens unsere Fortschritte sind unglaublich gewesen (durchschnittlich über 150 Meilen täglich, seit mehreren Tagen), und das hat unsere Moral etwas getrocknet, wenn schon nicht unser Ölzeug. Henrys Ölzeug ist total verschlissen, und ich habe die schlechte samaritanische Angewohnheit angenommen, ihm meine Jacke zu leihen, aber das geht nicht so weiter, denn erstens hasse ich es, meine Sachen zu teilen und zweitens fühlt es sich seltsam an, nett zu seinem Skipper zu sein. Wir wollen versuchen, vor morgen Mitternacht da zu sein, damit wir uns noch ein paar Tage vor den ARC Zeremonien ausruhen können. Von da an könnten die Tagebucheinträge etwas dünner werden, aber sie werden wenigstens nicht aufhören bis ich schließlich abreise. Dann allerdings ist fraglich, ob der Skipper weiterhin so eloquent berichtet. (Da seine journalistischen Talente ohnehin unterentwickelt sind, ist das wahrscheinlich auch kein Verlust.) Wir feiern den letzten Abend auf See mit „Pirates of the Caribbean 3“ vom Laptop und mit Dosenpastete. Das Leben an Bord war noch nie so unwirklich!


23 Dec 2007 21:58 Am Ziel
Position: 14:33N, 60:57W

Am letzten Sonntag, den 16. Dezember, war nachmittags der Wind derart eingeschlafen, dass wir schon glaubten, wir würden es nicht mehr schaffen, am errechneten Tag anzukommen. Die Sorge erwies sich aufgrund unserer guten Leichtwindsegelei als unbegründet, und wir querten die Ziellinie abends um zwanzig nach zehn Ortszeit. Das Ende war noch richtig schwierig, denn nicht nur hatten wir seit drei Wochen nicht mehr so viel Kunstlicht auf einmal gesehen, das uns richtig desorientiert hat, auch die vielen Leute plötzlich, vor allem aber dieser dicke Brocken Land im Weg mit so vielen scharfen Steinen unter Wasser passte uns erst gar nicht. Fast hätten wir die Ziellinie verpasst (gar nicht so schwer im Dunkeln, und wenn man vergessen hat, nachzusehen, wo sie sein soll), und während wir noch suchten, waren wir plötzlich von vier Motorbooten umgeben, die um uns herumzischten und überall Fotoblitze. Etwas verstörend für zwei, die seit drei Wochen menschlichen Kontakt nur unter sich hatten (und der freilich von zweifelhafter Qualität - sozialer Stromsparmodus, wir verschwendeten sowenig Energie wie möglich auf höfliche Konversation und Nettigkeiten). Am zugewiesenen Liegeplatz hatten wir dann einen phantastischen Empfang - Boote auf allen Seiten voller stehender Leute, die uns applaudierten, Nebelhörner, eine Signalfackel und wenigstens 70 Leute auf der Kaimauer um uns zu begrüßen und unsere Hände zu schütteln! Womöglich am meisten freute ich mich über die kalten Rumpunsche und Biere, die gereicht wurden. Als ich dann noch erkannte, dass unser Liegeplatz direkt an der Hafenbar lag, war ich restlos zufrieden. Viele unserer neuen Freunde von Gran Canaria kamen rüber, um uns Einlaufbiere zu kaufen, phantastisch! Meine Erinnerung an den Abend wird an der Stelle etwas unklar, aber ich weiß noch, dass ich wohl Schwierigkeiten hatte, meine Landbeine wiederzuerlangen, denn ständig bin ich irgendwo angestoßen - definitiv der Wechsel von Boot auf Land! Es folgte ein herrlicher Tag des Nichtstuns im Cafe, richtigen gekochten Essens, eiskalter alkoholischer Getränke und der wachsenden Überzeugung, dass wir tatsächlich etwas Bemerkenswertes vollbracht hätten. Nach einem hektischen Tag (ich habe mich glaube ich in 5 Stunden 20 Fuß weit bewegt), shanghaite uns die Familie des Skippers für drei Nächte in ein schönes Hotel ein bisschen die Küste runter. Rechtzeitig aber zur Siegerehrung der ARC kehrten wir in die Betriebsamkeit von Rodney Bay zurück. Nun bin ich ein Fan von Festen mit Freibier, aber wenn die Sache schon nachmittags um vier anfängt und einen mit zwei Trophäen ehrt, dann kann das nur das perfekteste Fest überhaupt sein. (Ja, gut, der Verdienst an den beiden Tröphäen lag zuerst beim Skipper, aber ich bin auf allen Fotos, also nehme ich auch was von dem Ruhm für mich). Irgendwie kann eine Party, die am Nachmittag anfängt und mir freien Alkohol spendiert, nur in eine Richtung gehen. Jedenfalls muss ich wohl um eins in der Nacht auf dem Rasen vor der Steel Band getanzt haben und alle Umstehenden zum Mitmachen aufgefordert. Eins habe ich erreicht: Alle hatten Spaß. Nur mitgetanzt hat fast keiner. Bin ich ein schlechter Tänzer? Nach der Preisverleihung ging es noch weiter ins große „Jump Up“ in Gros Islet, das ist ein riesiges Straßenfest. Die Erinnerung daran hat mit Essen zu tun, mit Tanzen und dem Verlust jeder Ordnung. Jeder, den wir von da an trafen, war überschwänglich mit Lob und Gratulationen, sodass ich mich ganz gegen meine angeberische Natur genötigt fühle, klarzustellen, dass wir nichts Besonderes sind, und auch wenn wir offensichtlich etwas Ungewöhnliches getan haben, sind wir doch weiter nichts als die beiden etwas ungehobelten Frischgraduierten, die wir schon vorher waren. Wir sollten trotzdem allen an dieser Stelle danken, die uns so herzlich gratuliert haben und an unser Wohltätigkeitsanliegen erinnern. Die Webseite ist immer noch: www.justgiving.com/timothyfosh. Die beste Art, Eure Gefühle auszudrücken und uns Eure Anerkennung zu zeigen, ist, für das Anliegen zu spenden, das wir unterstützen. Es folgt eine in kurze Einträge gestauchte Zusammenfassung der Zeit von Jahresbeginn bis April, in der die Jungens Urlaub machen und Foshy zuerst von Henrys Vater, dann von seiner Mutter abgelöst wird.



4. bis 11. Jan 2008 Bequia
Position 12:59N, 61:14W

Eine herrliche Woche mit unseren Freundinnen - Im Apartment - an Land!


14. bis 16. Jan 2008 Blue Lagoon, St. Vincent
Position 13:07.5N, 61:11.5W


16. Jan 2008 Wallilabou Bay
Position 13:14N, 61:15.5W

Ankern am Drehort von „Pirates of the Caribbean“


17. bis 25. Jan 2008 Rodney Bay Lagoon
Position 14:04.5N, 60:57W

Ein paar Tage vor Anker in dickem, klebrigen Schlamm in der Rodney Bay Lagune.


26. bis 28. Jan 2008 Fort de France Bay, Martinique
Position 14:33N, 61:01.5W

Wieder ein paar Nächte vor Anker, einmal vor einem Golfclub.


28. bis 30. Jan 2008 Saint Pierre, Martinique
Position 14:44.5N, 61:10.5W

U.a. eine schöne Tour über Grand Island mit Little Blue car rental tours, Vulkane, Surfstrände, lokale Küche, Schloss- und Burgruinen, Baguettes und Sackgassen.


30. Jan 2008 Roseau und Portsmouth, Dominica
Position 15:34.5N, 61:28W

Kurzer Zwischenstopp in Dominica, nicht viel zu berichten von Roseau, gutes Wifi und 2 x Redonda


1. und 2. Feb 2008 Les Saintes, Guadeloupe
Position 15:52.5N, 61:36W

Ankern in den ‚Saintes‘, hübsche Inselchen, für ein paar Tage Schnorcheln, Klettern und Faulenzen. Toll, mal aus dem Schwell zu sein.


3. Feb 2008 Pointe a Pitre Marina, Guadeloupe
Position 16:13.25N, 61:31.75W

Welch Luxus: eine Nacht am Steg mit fließendem Wasser (besser als ein Monat Waschen in der Pütz) und Strom (alles Elektrische wird aufgeladen) Dann los um 0345 Uhr, um die Hubbrücke der Riviere Salee zu passieren.


4. Feb 2008 Insel Fajou, Guadeloupe
Position 16:21N, 61:36W

Steuerten vorsichtig durch Riffs, um innerhalb 5 Fuß über dem irreal türkisen Sand zu ankern. Der geht hier meilenweit in alle Richtungen. Hier sind die Reklamefotos für die Karibik gemacht. Schnorcheln, etwas Lesen mehr Faulenzen. Ja, Segeln ist schon anstrengend!


5. bis 7. Feb 2008 English Harbour, Antigua
Position 17:00.5N, 61:46W

Liegen in English Harbour, Antigua, am Nelson‘s Dockyard (gaaanz berühmt). Hier sind Ruderer, die über den Atlantik gekommen sind, in Booten, die kleiner sind als unsere Ariel und ohne Segel! Wahnsinn! Warum rudern, wenn Du auch einen Monat faul rumsitzen kannst? Hier verabschiedet sich Tim Fosh als Crew und reist in die Heimat zurück.


14. Feb 2008 Falmouth Harbour, Antigua
Position 17:01.1N, 61:46.3W

Nachdem ich meine Crew Foshy in die Heimat entlassen habe, (schnüff), ankere ich ganz alleine in Falmouth Harbour. Es ist ziemlich windig, da lasse ich „Ariel“ lieber allein an ihrem Anker zerren und bleibe an Land für Internet und kleine Arbeiten, ist doch zivilisierter.


24. Feb 2008 Redonda
Position 16:56.5N, 62:20.75W

Früh am Morgen brach ich von Falmouth Harbour, Antigua auf. Mein nächster offizieller Hafen war Charlestown, Nevis. Auf jeden Fall wollte ich aber auf dem Weg dorthin einen Stopp auf der Insel Redonda einlegen. Redonda ist ein kleiner Felsen mitten zwischen Montserrat, Antigua und Nevis. Kommt man nahe dran, ist es aber gar nicht mehr so klein. Schaffte es, meinen Anker unter einem Felsen zu verkeilen, während ich zum Gipfel kletterte. Dann flickte ich den bisher zweiten langen Riss im Großsegel, und schließlich der Landfall in Nevis gerade nach Einbruch der Dunkelheit. Ein aufregender Tag und endlich geschafft, den Mief abzuschütteln, den ich in der langen Zeit in der stinkigen Lagune bei den tollen Superyachtleutchen angenommen hatte.


1. Mar 2008 Saint Kitts, Ballast Bay and Basseterre
Position 17:17.5N, 62:43.5W

Eine nette amerikanische Lady verkauft mir eine Solardusche. Das Ding hilft wirklich gegen das ewige Kleben von Schweiß und Salz. Wie nett sie auch war, ich blieb nicht sondern segelte weiter nach St. Kitts, Nevis‘ Schwesterinsel, aber dafür wirklich herrlich einsam. Hoppla, gewöhne ich mich jetzt schon zu sehr ans Einhandsegeln? Eine windige Nacht im Süden der Insel später, weit weg von den irren Stadtlichtern und den ewig wummernden Reggae-Bars, und ich gehe für zwei Nächte in die billigste Marina bis jetzt. Echte Duschen, Große Wäsche, Wasser gebunkert und neue Freunde auf einer großen Yacht gefunden (gegrilltes Lamm!). Auf dem Weg herüber auch meinen dritten Fisch seit England gefangen. einen ‚Yellow Jack‘, angeblich ein giftiger und ungenießbarer Bursche. Ich habe ihn mit Curry so stark gewürzt, um die Toxine zu killen, dass er nach nichts mehr schmeckte, was meine paranoiden Bauchkrämpfe nicht vermied. Ich esse eben alles, was umsonst ist. War am Ende doch genießbar.


4. Mar 2008 ...und den ganzen Weg zurück: Statia
Position 17:28.75N, 62:59.25W

Hatte eine blasige Abfahrt vom Nordende St. Kitt‘s, die mich die Ducht aus dem Dinghi kostete. Wenigstens nicht das Dinghi selbst! Jetzt kriege ich beim unbequemen Rudern einen nassen Hintern. Aber dann Statia. Früher der „Goldfelsen“ der Karibik wegen seiner Zollfreiheit. ein reicher Handelsstützpunkt, bis Admiral Rodney von der guten alten Royal Navy es eroberte und die Reichtümer konfiszierte. Heute ist es lieblich, klein und nett, wenn auch etwas rollig vor Anker. Sah einen Stachelrochen sobald ich ins Wasser sprang, um den Anker zu sichern. Hielt mich lieber fern. An Land folgte ich einem Felsenpfad in den Ort und fand einen chinesischen Supermarkt, wo ich Milchpulver kriegte. Jetzt kann ich richtig zivilisiert frühstücken, mit Milchkaffe und Toast, denn ich bekam auch Backpulver! Also: (Trommelwirbel). Ich kam, ich sah, ich knetete, ich buk. Foshy hat nie geglaubt, dass man an Bord Brot backen kann. Ich hab es ihm gezeigt! Nicht alle würden das Produkt Brot nennen, aber nächstes Mal wird es bestimmt echtem Brot ähnlicher. Weiter so zu Erfolg und Ruhm!


4. Mar 2008 St. Martin
Position 18:04N, 63:05.25W

Von Statia nach St. Martin - ein ganzer Tag für etwa 44 Meilen, und ich bin wieder vor Anker neben der Marina in Marigot auf der französischen Hälfte der Insel. Offenbar nehmen die auf der niederländischen Hälfte irre Liegegebühren, denn um mich herum liegen bald 300 Yachten. Liege mit dem kleinen Boot geschützt unter Land und fahre einen Tag lang mit dem Bus rüber nach Simpson Bay und weiter zum Flugplatz, wo ich meine Crew für die nächsten Tage erwarte. Da sitze ich also am Flughafen und warte auf meinen Papa, der meine liebe Crew Foshy (schnüff) ersetzen soll, die ja in Antigua abgemustert hat.


4. Apr 2008 Toby
Position 18:03.65N, 63:05.6W

Wer ist Toby? Toby ist der Time Out BoatYard, wo Ariel drei Wochen gelegen hat, während ich daheim auf Familienurlaub war. Toby ist ein niedlicher kleiner Platz von Franzosen, wo überall Schrott herumliegt, aber sicher und billig. Ich habe mir die Füße beim Skilaufen verletzt, und so hopple ich unbeholfen herum und tue mir selber leid. Vor allem weil alle Crewangebote von hier ab geplatzt sind und ich wohl alleine weitersegeln muss. Vielleicht kann ich mich hier lange genug herumdrücken und meine Füße kurieren, bis irgendwelche Bekannten von der ARC vorbeikommen. Jetzt mache ich auch neue Pläne: Statt von hier weiterzusegeln bis New York denke ich jetzt, ich werde von den Bahamas nach Bermuda rüberhopsen und von dort über die Azoren heimsegeln. Falls ein gewisser Herr BBC das liest und mir sagt, dass ich einVorstellungsgespräch im Juni habe, dann fahre ich dafür glatt nach Hause.


25. Apr 2008 Außerhalb Marigot, French St. Martin
Position: 18.03:54N, 63.05:45W

Nach drei Wochen in einer stinkigen Lagune und Warten auf Ersatzteile bin ich wieder unterwegs. Wohin? San Salvador, die Insel in den Bahamas, ist mein nächstes Ziel. Hier ist das echte Abenteuer auf meiner Atlantik-Rund Reise: Einhand, non-stop für 800 Meilen. Rechne nicht mit viel Schlaf, da ich vorhabe, alle 20 Minuten Ausguck zu halten, aber wir werden sehen, wie die guten Vorsätze halten. Ein paar Tage segelte ich in netter Gesellschaft von Bekannten: Little Blue and Phillipides III die auch im Dezember auf der ARC waren. Rechne mit Ankunft auf den Bahamas in sechs bis neun Tagen.


27. Apr 2008 Nur noch 530 Meilen vor uns...
Position 19.54N, 66.00W

Komme gut voran, nördlich der Virgin Islands, und bin so entspannt, hin und wieder ein Nickerchen zu machen, nachdem ich von den anderen weiß, dass meine neuen Radarreflektoren super sichtbar sind. Eine schreckliche Nacht gab es, seekrank, kein Mondlicht und der Horizont voller Blitze. Zum Glück kam mir das Wetter nie zu nah, aber es machte mich schon mächtig nervös. Heute geht es mir viel besser. Mache sechs Knoten über Grund, rechne also mit einer flotten Passage, wenn das Wetter bleibt, wie es ist (Ostwind um 3). Habe einen fetten Tunfisch gefangen aber ihn wieder reingeworfen. Hatte einfach keine Lust auf Kochen bei dem Gerolle. Liebe meine Ingwernüsse, ein richtiges Abendessen!


30. Apr 2008 Regen!
Position: 21.55N, 69.41W

In der Karibik regnet es und regnet und regnet. Habe eine kleine Wetterfront durchquert mit massenhaft Regen und Winddrehern. Klatschnass vom Segelwechseln habe ich mich eingeseift für eine Dusche, und genau da hörte der Regen auf und ließ mich stehen, seifig und nackt, 100 Meilen von irgendwo. Herr GPS meint, noch 60 oder 70 oder 80 Stunden bis Salvador, je nachdem, wie er gelaunt ist, das heißt also noch etwas weniger als drei Tage. Lese Bücher, wasche und putze, das Übliche. Freue mich auf Menschen um mich herum, nächste Woche.

(Übersetzung: Michael Hundrup)

Fortsetzung   >> Bermuda ...

Will noch jemand etwas Wasser

Wahre Sternstunden des Folkebootsegelns: Wie JUNA Chiemseesegler am Kalkgrund vom Folkeboot überzeugte.

von Vincent Büsch

Junatour 01 400Es gibt so (Segel-) Tage, an die denkt man zurück und denkt nur so: bähm!! Also wie soll man daraus einen Artikel schreiben?

Eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, den Sonntag über abwechelnd zu entspannen und mich darüber aufzuregen, dass mein Außenborder nicht funktionierte. Der querulantische Quirl meiner CARA hatte sich partout nicht starten lassen und so konnte ich nicht zur Sternfahrt nach Schleimünde aufbrechen, wo sich am Samstag Abend auf Einladung von Swantje mehrere Folkeboote zum gemütlichen Abend versammelt hatten.

Doch über WhatsApp erreicht mich Swantjes Anfrage: „Moin, moin … Ist ziemlich Druck in der Luft. Willst du spontan als No. 4 mit?“ No. 2 und No. 3 hatte ich schließlich angeheuert: Wiebke hatte ich dieses Jahr Ostern auf einem Rügentörn kennengelernt und sie war mit ihrer Freundin Christine aus Bayern angereist, um in Husum ihre Familie zu besuchen. Wenige Tage vorher hatte Wiebke mich gefragt, ob ich ihr am Wochenende zu einem Segeltrip auf der Ostsee verhelfen könnte und da hatte ich ihr die Nummer von Swantje gegeben. Aber vor Swantje und der JUNA lagen 30 Meilen bei 5 Bft. gegenan von der Lotseninsel nach Glückburg.

Ich also rein in die Segelklamotten, kurz noch Ölzeug für die Gäste von der CARA geholt und ab nach Maasholm, wo die Fähre zur Lotseninsel fuhr. Wiebke und Christine ließen sich von Wiebkes Eltern, die sich eigentlich auf einen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen gefreut hatten, nach Kappeln bringen und um 12.30 waren wir startklar. Aber eine Kaffeetour erwartete uns nicht.

Swantje machte ihre Crew mit dem Boot bekannt. Wie werden die Segel gesetzt, was ist bei einem Langkieler zu beachten und wie stellt sie sich das Ablegemannöver vor. Wiebke und Christine segeln auf dem Chiemse mit Christines Dyas, haben aber beide auch Hochseeerfahrung auf Yachten. Sie freuten sich auf einen Törn bei stabilem Wind auf der Ostsee. Von den größeren Familienyachten blickten uns nicht nur große Kinderaugen an: Wie, die laufen aus? Die Fallen in dem kleinen Hafen auf der Lotseninsel pfiffen im Wind.

Ein tolles Erlebnis bei sechs Bft. uaf der Flensburger FördeDer Wind kam aus Nordwest und da die JUNA mit dem Bug Richtung Schlei lag, wollten wir uns an den Dalben treiben lassen und unter Segeln auslaufen. Der Motor lief nur zur Sicherheit mit. Aber das Boot drohte, seitwärts in die Box zu drehen und so schob Swantje doch den Gang rein und wir setzten die Segel gleich hinter der Mole. Eine Halse und die JUNA fuhr aus der Schlei hinaus auf die offene See.

Wir gingen hart an den Wind und schon kam der Leuchtturm Falshöft in Sichtweite. Die ersten Spritzer, die ins Cockpit flogen, wurden noch mit launigen Kommentaren begrüßt. Da der Wind etwas westlich kam, konnten wir anfangs fast parallel zur Küste segeln, aber als wir wegen der nördlichen Böen zu weit auf die Ostsee raustrieben, wendeten wir. Christine saß an der Pinne und machte sich mit den Steuereigenschaften des Folkebootes vertraut. Ich hielt mich an der Fockschot fest und hatte den Eindruck, bei den größer werdenden Wellen waren meine 95 Kilo auf der Kante mittschiffs eine gute Investition. Wiebke packte die Käsestullen aus und Swantje behielt mit ihrem Hand-GPS die Navigation im Auge. „Liquid Sunshine“ nannte unsere Skipperin das, was auf auf uns zukam: Flüssigsonne. In diesem Jahr auch in Norddeutschland ein eher seltenes Phänomen. Bei den ersten Regentropfen guckten wir uns skeptisch an: Ein tolles Segelwetter hatten wir uns da ausgesucht. Als wir Falshöft querab hatten, zog sich der Regen zu einer dicken grauen Wand zu sammen. Die dänischen Inseln waren nicht mehr am Horiznot zu sehen. Das ist dann schon ein wenig unheimlich und hat so etwas von Nebel von Avalon, wenn man auf einmal gar nichts mehr sieht. Aber der Himmel klarte auf und weiter ging unsere Tour Richtung Flensburger Förde.

Swantje, die auch viel alleine segelt und das Revier im deutsch-dänischen Grenzgebiet gut kennt, hatte entschieden, das wir nicht zu früh Richtung Außenförde wenden sollten, sondern einen langen Schlag in die Sonderburger Bucht hinein machen sollten. Der Kalkgrund ist zwar tief genug, um mit 1,20 m Tiefnag darüber zu segeln, er ist aber flacher, als die umliegenden Gewässer. Bei viel Wind führt das dazu, das die Wellen steiler werden und auch brechen. Kein guter Untergrund für eine Segeltour. Auf der Strecke am Leuchtturm Kalkgrund vorbei Richtung Sonderburger Yachthafen wurde es richtig schön ungemütlich. JUNA lag auf der Seite, das Wasser rauschte in Lee die Scheuerleiste entlang. Der Wind hatte in Böen sechs Bft. erreicht und das Boot legte sich noch tiefer. Da galt es, immer eine Hand am Traveller zu haben, um den Druck aus dem Segel zu nehmen. Die Wellen hatten auch noch ein Wörtchen mitzureden. Sie hoben das Boot und setzen es ungefähr auf der Kursilinie wieder ab, sie klatschen gegen den Bug und durchspülten das Cockpit, so dass wir ab und zu mal die Bilge auslenzen mussten. Als ich am Steuer saß, konnte ich spüren, wie schwierig es ist , die Wellen richtig einzuschätzen, aber nach einer Weile ging es schon etwas besser von der Hand. Ich lernte die geschwungene Steuerbank der JUNA zu schätzen. Damit hat man einen super Halt für die Füße, wenn man an der Pinne sitzt. Buddahgleich ruhte mein Körpergewicht jetzt auf dem Oldmen‘s Seat. Aber gerade als es am Steuer gemütlich wurde, erwischte uns eine rießige Welle, die das Cockpit unter Wasser setzte. Bei dem Wetter bestraft der Kalkgrund jede Unachtsamkeit mit einer salzigen Dusche. Aber wir hatten uns auch schon an die Einschläge gewöhnt. Das Wasser der Ostsee hatte immer noch seine 22 Grad, ja, es war tatsächlich pisswarm, was da über die Bordkante schwappte.

Als ich wieder am Niedergang stand wollte ich mich um die Verpflegung der Damen kümmern, die vergnügt auf der Kante den Gewichtstrimm besorgten. Der salzige Geschmack im Mund ging mir so langsam auf den Senkel und in der Fallentaschen steckten Wasserflaschen. Just in dem Moment brach eine Welle ins Cockpit, die die drei ordentlich durchspülte. „Will noch jemand etwas Wasser?“ Fragte ich, unschuldig, wie es meine Art ist. „Danke, geht gerade“ und „eh, nein?“ kam als Antwort von oben.

Es war halt Folkebootsegeln im besten Sinne : Ein tolles Naturerlebnis.

Heimwärts ...

Die letzte Etappe von "Ariels" Atlantiktörn ging von den Azoren heim nach England. Der Plan war, nonstop Teignmouth in Devon anzulaufen, wo mir als Kind meine Großmutter das Segeln beigebracht hat, und wo sie noch immer wohnt. Das ist eine Strecke von 1250 Nautischen Meilen, für die ich 11 oder 12 Tage veranschlagte. Ich war ja schon früher dieses Jahr 800 Meilen alleine von St.Martin zu den Bahamas gesegelt und hatte es genossen. Also beschloss ich, auch diese letzte Herausforderung allein anzunehmen - zu zweit ist es ja auch zu einfach in so einem stabilen Folkeboot!

Frisch verproviantiert mit zwei Säcken Zwiebeln, einem Sack grüner Tomaten, sechs Laiben Brot, Dosen, Gläsern und noch mehr Dosen (und auch ein paar Äpfel, um Skorbut vorzubeugen, haha [Henrys Elternhaus ist ein Apfelbauernhof in Devon, Anm. Übers.]), setzte ich am 22. Juli meine Segel. Es war ein bedeckter Himmel, und eine flaue Hochdruckzelle schien auf meiner ganzen Route zu liegen. Natürlich hoffte ich, dass das Hoch bald zusammenbrechen und es danach Wind geben würde, aber ich hatte doch vorgesorgt und mir mit einem neuen Extrakanister von 25 Litern, also insgesamt 80 Litern Benzin etwa 80 Stunden Motorreichweite eingekauft.

Recht schnell schon war ich außer Sicht von Land. Eine leichte Brise kam auf, und es ging ein paar Tage lang recht gut voran. Endlich sah ich auch meine lang ersehnten Wale! Das ganze Jahr schon hatte ich sehnsüchtig nach ihnen Ausschau gehalten, und hier, am 24. Juli, sprangen zwei Buckelwale nur eine halbe Meile entfernt von mir hoch aus dem Wasser. Am selben Tag musste ich auch fast einen Schiffbrüchigen retten. Ich saß so unter Deck und schrieb mein Logbuch, als ich plötzlich ganz sicher meinte, von draußen ein Pfeifen zu hören. Ich sprang hoch und suchte eine kleine Ewigkeit die Wellen ab. Vergeblich. Ich muss so ausgesehen haben wie der Typ im “Weißen Hai”, wie er so allein das Meer absucht, und dann merkte ich, dass das Pfeifen von dem Kugelschreiberdeckel in meinem eigenen Mund kam...

Dann erstarb mir der Wind: "Langsam geht’s, laaangsam, laaaanngsaaaam… seit 18 Stunden oder so geht es hier mit nur 2,5 Knoten weiter. Alle weißen Segel oben vor einem schwachen Süd mit 1 bis 2 Bft., aber bei einem ungemütlichen Schwell vom Westen. Bei diesem Speed und diesem Kurs könnte ich im Oktober in Island ankommen."
Andererseits war das flaue Wetter praktisch, um das Großsegel noch mal nach zu nähen, da wo (schon wieder) beim Schiften der Bullenstander hängen geblieben und ein Saum aufgegangen war. Also Segelbergen vor dem Wind. Ich hatte mir angewöhnt, dafür in die achterliche Reffkausch einen Karabiner einzuschlagen, damit ich das Segel schneller bändigen konnte. Diesmal nur einmal kurz daran gezogen, und schon hatte ich das Segel fast in zwei Teilen daliegen. Also hatte ich jetzt jede Menge Arbeit gegen die Langeweile. Und frisches Fleisch bekam ich auch. Es gelang mir nämlich, einen ganz hübschen Thunfisch zu fangen, der so feist war, dass er für vier Abendessen reichte: Fischsuppe, danach Fischeintopf, noch Eintopf und zum Schluss Fischcurry, einfach jedes Mal etwas Gemüse und Gewürz nachgeworfen!

Mitten auf dem Weg hatte ich zwei oder drei Tage Regenwetter, und so zog ich mich unter Deck auf meine Koje zurück, wo ich mich mit einem Stapel Bücher und Schokolade unterhielt, bis ich endlich mein Kabinenfieber entwickelte. Nach etwa sechs Büchern hörte aber der Regen auf, und stattdessen berichtete der Wetterservice von stürmischem Wind, der auf mich zukäme. Tatsächlich wurden es aber kaum mehr als fünf oder sechs Bft, aber ich machte mir viel mehr Gedanken über das Kontinentalschelf. Etwas Starkwind würde die Langeweile vertreiben und mich so schnell vorantreiben, dass aus den letzten vier Tagen vielleicht nur drei würden. Aber die Gegend, in der ich gut aufpassen müsste, wäre die, in der der Meeresboden sich von 2000m Tiefe auf gerade mal 150m ansteigt. Das macht oft ganz fürchterliche Dinge mit dem Seegang. Gewaltige Grundseen, Kreuzseen können auftreten, die aus dem Nichts kommen und sich nach allen Seiten zugleich brechen. Ein rascher Blick auf die Karte zeigte, dass ich heute Abend gerade bei einem Beinahe-Sturm das Schelf passieren würde. Na perfekt!

Ich bemerkte die Störungen in der See auch ganz bestimmt, als ich das Kontinentalschelfgebiet passierte, an einem definitiv verstörten Wellengang, aber doch nichts Gefährliches. Für die letzten paar Tage galt meine Hauptsorge dann dem Schiffsverkehr. Solange ich auf See war, hatte ich lediglich alle paar Tage mal ein Schiff gesichtet, doch jetzt hatte ich die schrecklichen Verkehrstrennungsgebiete sowohl an meiner Süd- wie auch an der Nordseite, zudem noch mengenweise Fischereifahrzeuge, die den Englischen Kanal in alle Richtungen befahren. Der Wind blieb stabil bei etwa fünf Bft von achtern, und so machte Ariel exzellenten Speed unter ihrem lang gewohnten Vorwindrigg – doppelt gerefftes Groß und ausgebaumte Fock. Als der Verkehr zunahm, piepte mein "MerVeille" Radar Detector (ein absolut notwendiges Ausrüstungsteil) immer und immer öfter. In meiner letzten Nacht auf See, dem ersten August, meldete es fast ununterbrochen Fahrzeuge nahe bei. Ich dachte zuerst, es müsse wohl falsch anzeigen, da ich keinerlei Positionslichter sichtete. Doch dann erkannte ich, dass ich mitten in einem ausgedehnten Nebelgebiet segelte, ohne jedes Mondlicht – furchtbar! In der Nacht schlief ich gerade mal viermal knapp eine halbe Stunde und starrte ständig in den schwarzen Nebel, nach echten oder eingebildeten Lichtschimmern. Mit der Dämmerung aber kam die Sonne heraus, eine nette Brise ließ mich erstmals ausreffen, und schon bald sah ich britisches Land, zum ersten Mal seit Juli 2007. Ich hielt fest: "glorreiche letzte Stunden in hellem Sonnenschein, entlang der Küste von Salcombe, an Dartmouth und Torbay vorbei, und hinein in den Teign. Ich duschte, fing ein paar Makrelen fürs abendliche Grillen und trank ein Bier, gekühlt im Englischen Kanal, zum Mittagessen unter Segeln. Warum nur auf den Ozean segeln, wenn es in der Nähe der heimatlichen Küste so ruhig und lieblich ist?"

Meine ganze Familie stand oben auf dem weithin sichtbaren Ness Cliff mit einem Banner "Welcome Home", und ich segelte um 17:30 Uhr, am Samstag den zweiten August, in den Fluss Teign hinein und mitten in einen überwältigenden Empfang. Eine Blaskapelle auf eine Yacht, hunderte von Leuten am Strand und sogar ein Lautsprecherwagen. Vielleicht hatten der Auflauf und die Festlichkeit auch ein bisschen mit dem lokalen Water Carnival zu tun, der gerade an diesem Nachmittag stattfand. Ich machte Ariel an dem Besucherponton und fläzte mich in einen großen, bequemen Liegestuhl im Garten meiner Tante, direkt am Fluss und genoss einige Drinks und ein herrliches Grillen mit der Familie, einfach glücklich, wieder daheim zu sein.

Seit wir England verlassen haben, hat Ariel über 10.000 Seemeilen hinter ihrem Kiel gelassen und elf Länder besucht. Von der rasend-wilden Überfahrt unterm Passat bis zum sanften Motorsegeln im Bermuda-Dreieck sind wir fast ausschließlich vorm Wind und raumschots gefahren, und die stärksten Winde waren etwa acht Bft in tropischen Gewittern und in dem Fats-Sturm zwischen Bermuda und den Azoren. Die Baumniederholertalje ist mindestens fünfmal gebrochen und wird nur noch von Behelfslaschings gehalten, und das Großsegel ist viermal an den Nähten geplatzt und wieder repariert (es war auch schon recht alt). Ariel war der Sache zu jeder Zeit vollkommen gewachsen, und ich habe mich auf See nie in Gefahr gefühlt (nur bei Hafeneinfahrten!).

 

Die karibischen Inseln waren faszinierend, wenn ich auch immer schmerzlich gespürt habe, wie weit die Yachtkultur von der lokalen Landeskultur entfernt ist. Mein Lieblingsgebiet waren ohne Zweifel die Bahamas – geschützte Gewässer, hunderte von wunderschönen Inseln, kristallklares Wasser... dicht gefolgt von den Azoren mit ihrem üppig-grünen Hügeln, freundlichen Menschen und Tradition voller Booten und Seefahrt. Doch jetzt ist es Zeit, Ariel aus dem Wasser zu heben, Ihren Bauch zu schrubben und die lange Liste zu beginnen, auf der dann steht, was an Kleinigkeiten alles zu reparieren und zu warten ist, bevor es wieder auf Tour gehen kann. Vielleicht geht es dann mal in die Ostsee, um ihren Geburtsort Kerteminde zu sehen?

Los geht's ...

Das Tagebuch der Atlantik-Überquerung von Henry Adams und Tim Fosh
 

24 Sep 2007 13:16,

Lagos Marina Beginne bei Position 37° 6‘39.43"N, 8°40‘27.03"W, Lagos Marina. Plan vorerst: Ab Lagos, vielleicht am 16. Oktober, 450 Meilen zur Madeira Gruppe. Dann zu den Kanaren via Selvagem Inseln (300 Meilen weiter), dann die Atlantik Vorbereitungen, um am 25. November ins tiefe Wasser vorzudringen. Außerdem werde ich am 11. Oktober "Yachtmaster" sein, hoffentlich...
 

10 Oct 2007 22:04,

Lagos Marina Endlich online per teurem Marina WiFi und Stromleitung ins Boot, also alles aufladen. Bin auch vorbereitet für die "Yachtmaster" Prüfung morgen. Alle Seekarten und den Reed’s Almanach von Rob und Julia von RuSailing geliehen und Pascal getroffen, der für die praktische Prüfung meine Crew macht. War auch einkaufen: Eine neue 110Ah Schiffsbatterie zu exorbitantem Preis und jede Menge Kleinkram, auch ein paar Teile, um endlich den Landstromanschluss hinzukriegen. Schnäppchen des Tages: ein Blatt gutes Sperrholz für mein neues Schapp.

17 Oct 2007 23:39

Weg ausLagos! Endlich fast fertig, um nach Porto Santo abzusegeln! Viele kleine Arbeiten erledigt, geht jetzt alles viel schneller, wo Foshy hier bei mir ist. Neue Klemmen am Mast, Spinddrainage, kardanisch aufgehängte Petroleumlampe, Schapp, Moskitonetz und Eichenverstärkungen am Großbaum. Die Yachtmaster-Prüfung ging ganz gut. Gut bestanden und hatte einen sonnigen Prüfungs-Segeltag auf die Portimao Reede und zurück bei leichtem Wind. Morgen früh setzen wir Segel, sobald wir aufgetankt sind. Es sollte vier bis fünf Tage dauern bei den angesagten leichten NE Winden. Freuen uns, endlich wieder zu segeln!

23 Oct 2007 16:35,

Porto Santo! Der kleine Dorfplatz in Porto Santo (Position: 33:03.531N, 16:20.146W) mit billigen Sandwiches. Wir sind gestern angekommen, nach vier Tagen mit angenehm leichten und warmen achterlichen Winden. Haben mit Vier-Stunden Nachtwachen experimentiert; das hat aber nicht gut funktioniert, und so gingen wir zurück auf drei Stunden Wache: drei Stunden frei, das geht gut. Haben den Lümmelbeschlag zerbrochen, deshalb die letzten Tage ohne Groß gesegelt, aber es ging trotzdem gut voran. 10 Minuten nach meiner letzten Morgenwache sah Foshy die spitzen Gipfel der Insel vor Folkebootkabine vor und nach Atlantiküberquerung uns. Schon erstaunlich, wenn nach vier Tagen, in denen man nichts gesehen hat, nicht mal irgendwelche Schiffe, plötzlich so eine Insel vor einem auftaucht. Obwohl die Navigation so einfach ist: "Goto", "Enter", fertig.
An Bord gab es meistens Pasta. Gespannt, wie es sein wird, wenn wir auf See endlich Brot backen können. Die Crew scheint hieran zu zweifeln, aber er wird es schon noch sehen! Porto Santo ist herrlich. Wir liegen in einer blitzsauberen Marina am Ende eines fünf Meilen langen goldenen Strandes mit kristallklarem Wasser und blauem Himmel. Da kann man den englischen Regen wirklich vermissen. Ach, wir bleiben noch ein paar Tage!
 

23 Oct 2007 16:35

Es spricht die Crew Wir haben beschlossen, abwechselnd Tagebuch zu führen, um Euch möglichst viel literarisches Talent, Spannung und Einzelheiten zu bieten, wobei für die ersten beiden ich, für das Letztere Henry zuständig ist. Wir baden hier im kostenlosen Internet, laden Musik herunter, trinken Coke aus Glasflaschen und essen Mega-Sandwiches. Eine willkommene Abwechslung von den gastronomischen Genüssen, die unser Kombüsensklave an Bord zutage fördert. Es waren nur vier Tage unter blauem Himmel und hellem Sonnenschein von Lagos hierher, und ich bin rot wie eine überreife Himbeere, vielleicht aufgrund eher symbolischer Anwendung von Sonnencreme! Die Überfahrt war ohne besondere Vorkommnisse nach dem ersten Tag, den wir brauchten, um unsere Seebeine wieder wachsen zu lassen. Henry schien es dabei schwerer zu haben als ich, hat doch sein Magen die Konstitution eines nassen Papierbeutels. Er lag fast 36 Stunden herum, fühlte sich müde und tat sich selbst leid. Ich gebe zu, dass selbst mein Stahlbetoneimer eines Magens etwas gelitten hat. Aber ich habe Henry nichts davon gesagt, um sein Jammern nicht noch anzufeuern. Ich werde auch nicht auf dem Bruch des Lümmelbeschlages herumreiten, weil ich ihn erst entdeckt habe und damit nicht angeben will. Aber ich gebe zu dass Henry, nachdem ich ihm das Problem aufzeigte, erfolgreich einen Plan erarbeitete, den meine Hilfsbereitschaft dann umsetzte. Das alte Wachsystem hat so gut funktioniert wie schon in der Biskaya, nachdem wir Henrys Idee von Vier-Stunden Wachen wieder aufgaben. Es hatte zur Folge, dass einer von uns acht Stunden machte, der andere nur vier. Es ist schwer, nach einer Vierstunden-Wache noch eine zweite ab vier Uhr früh hindurch wach zu bleiben, wie wir beide bewiesen haben, indem wir zufrieden unter sternenklarem Himmel schnarchten.
Henrys Auffassung von Wache gehen scheint übrigens zu sein, auf dem Rücken liegend träumerisch die Sterne zu betrachten und Konstellationen zu erkennen. Gelang es ihm, wurde er so aufgeregt, dass ich mich frage, wie er in der Freiwache überhaupt schlafen konnte. Ich genieße die Sonne sehr nach einem britischen Sommer im Büro, und ich versuche (zugegeben, wahrscheinlich vergeblich), Henrys Bräune aufzuholen, die er sich während dreier Monate im Mittelmeer besorgt hat. Dies führte gestern zu einer eindrucksvollen Rosigkeit meinerseits, nachdem ich zum ersten Mal auf unserer Fahrt etwas sparsamer mit Sonnencreme war.
 

26 Oct 2007 15:03,

Madeira Position: 32:38.955N, 16:54.541W Wir sind in Madeira! Und endlich regnet es mal! Sitzen in einem Eckcafe am Großen Platz und haben alle Erlaubnisscheine, um in den nächsten Tagen die Ilhas Desertas und Ilhas Selvagems zu besuchen. Liegen in der Quinta do Lorde Marina und haben ein Auto für zwei Tage gemietet. Hatten wunderschönes Segeln von Porto Santo hierher, noch mehr GROSSE Delfine, einige sogar gefilmt. Das Leben an Bord ist gut: Bier, Oliven und Cornichons im Cockpit, dazu ein paar Folgen von ‚Peep Show‘ (die Fernsehserie, kein nautisches Fernglasspielchen). Jetzt folgen wahrscheinlich wieder die abenteuerlichen Storys von Foshy, ich bin sicher, davon glaubt niemand auch nur ein Wort! Haa.

Ja, wir sind in Madeira, aber fast wären wir’s nicht: Mein wundersam begabter Skipper hatte geruht, nicht die Seekarten für die letzten dreißig Meilen zu unserer jetzigen Marina zu benutzen. Er setzte den Kurs ab zu einer Insel, die er sah und für Madeira hielt. Erst eine Stunde auf dem Kurs bemerkte er (nach einem dezenten Hinweis von der immer wachsamen Crew) eine viel größere, auffälligere Insel querab von uns, und daraufhin hatten wir ein paar Stunden wundervollen Segelns, begleitet von etlichen dinosauriergroßen Delfinen (die waren echt massiv!). Wir brauchten glatt zwei Stunden weniger zum Ziel als berechnet, und wir freuten uns, abends noch Zeit zu haben für ein paar Bierchen.

Henry fühlte die ganze Wucht des Alkohols nach 30 cl, und so wurde es ein eher ruhiger Abend. Wir waren um elf in der Koje, nachdem wir mit ein paar Norwegern geplaudert hatten, die in der Folge unseren Kabeladapter verloren, welchen wir auch nur vom Hafenpersonal geborgt hatten. Ich war für Absegeln ohne bescheid zu sagen und sehen, ob sie uns verfolgen würden, so wie sie es gestern wirklich getan hatten um uns hereinzuholen, als unser ausgeschaltetes Funkgerät nicht auf ihre Anrufe reagierte. Aber Henry scheint ein weit ehrenhafterer Mensch zu sein als ich. Wird das Gute über das Böse siegen?

Fortsetzung folgt. Vorerst nahmen wir Besitz von einem Chevrolet Matiz (unser Mietwagen) und genossen die Freiheit in Madeira für zwei Tage. Wir haben offenbar die Fähigkeiten der wunderbaren Maschine ganz entfesselt, als wir sie auf dem Weg in die Inselhauptstadt Funchal an seine Grenzen führten. Danach wollten wir es unbedingt Bergsteigen sehen, losgelassen in seinem natürlichen Habitat. So besorgten wir uns einen Passierschein zu den landschaftsbotanischen Gärten in der Inselmitte. Sehr schön, für so einen botanischen Garten, und die Aussicht über Funchal war toll. Aber nach einer halben Stunde oder so langweilten wir uns ein bisschen mit all den Pflanzen und erholten uns in einem guten altmodischen McDonalds. Wir hatten auch viel Spaß, als wir direkt an der Abbruchkante einer Klippe parkten (gerade unterhalb der zweithöchsten Steilküste der Welt). Wir starteten den Motor, um wegzufahren, nur Henry hatte vergessen, dass er den Gang dringelassen hatte… Generell fuhr Henry sehr gut, wenn er nicht in der falschen Richtung die Kreisverkehre befuhr. Schließlich fanden wir sogar einen Supermarkt mit Sonderangeboten für Bier und kauften unseren ersten echten Madeira.

Einen Abend waren wir zu Gast bei James Anderson, einem ehemaligen Armeeingenieur, der mit seiner Ketsch „Arc“ mit der ARC um die Welt schippert. Er lud uns auf ein Bier ein, und wir gingen erst morgens um drei, ziemlich groggy. Wir staunten nicht schlecht über all die Annehmlichkeiten an Bord: Ein Spülklo, fließendes heißes Wasser, ein Kühlschrank (kaltes Bier!) und ein Backofen, ganz von der Stehhöhe zu schweigen! Mein Skipper war offenbar glücklich, über Motoren zu fachsimpeln, während ich mich der Aufgabe widmete, ein Mammutcurry zu kochen, das alle sehr genossen. Wir kriegten sogar etwas echten Käse zu essen – episch!
Am Nachmittag verlassen wir die Marina und hoffen, das Personal bemerkt das Fehlen des Stromadapters nicht, den unsere norwegischen Bekannten verloren haben. Die nächsten Tage werden wir unter Segeln oder vor Anker sein.
 

01 Nov 2007 15:28,

Selvagem Grande Selvagem Grande (Position 30:08.420N, 15:52.252W) für einen Tag und eine Nacht. Foshy schnarcht gegenüber nach einem ermüdenden Pastaessen. Wir werden nachher wohl an Land schwimmen und uns die Insel ansehen, von der jeder Botaniker weiß: „Das Weltnaturerbe der Ilhas Selvagens besteht aus etwa 105 seltenen Pflanzen, von denen 11 sogar endemisch auf dieser Inselgruppe sind.“ Klingt fesselnd. Wind ist immer noch NE, abnehmend. Planen, morgen früh nach Las Palmas auf Gran Canaria zu segeln. 04 Nov 2007 17:37 Bemerkungen der Crew Die Crew quält ihr schlechtes Gewissen nach vier Tagen ohne Eintrag. Dafür gibt es zwei Erklärungen: Erstens den Bösen Skipper, der immer über dem Computer saß und zweitens die generelle Apathie und Faulheit der Crew auf See. Wir sind also Montag zu den Ilhas Desertas gesegelt, die ihrem Namen Ehre machen, nur 15 Seemeilen oder so von Madeira. Abgesehen natürlich von zwei charmanten und hilfreichen Inselhüterinnen, deren Job darin besteht, sehr knappe Shorts zu tragen und Ziegenbabys zusammen zu treiben (keine Fragen hier, bitte – eine lange und sehr komplizierte Geschichte, die unsere Leser gewiss nicht glauben würden). Die besagten Inselhüterinnen waren besonders hilfreich dabei, Massen von Papier zu produzieren. Wir mussten unterschreiben, dass es nicht die Verantwortung der Inselverwaltung wäre, wenn wir von irgendeiner Klippe stürzen. Ich wurde gewarnt, nicht in meinen Deckschuhen zu wandern, da es aber die griffigsten Schuhe waren, die ich dabei hatte, zog Euer Held vor, wie üblich ein frohes Gesicht gegen alle Widrigkeiten aufzusetzen. Die Kletterei war sehr, sehr steil und hauptsächlich der Absicht des Skippers gewidmet, Fotos von unserem Ankerplatz für seine heimliche Freundin, Anne Hammick, Herausgeberin des Atlantic Islands Pilot Guide, zu machen. Der Böse Skipper scheint sich verpflichtet zu fühlen, alles zu tun, was Anne wünscht (und vieles, das sie nicht einmal ahnt), nur um ein Quentchen ihrer Gunst zu erhaschen. Dies schließt offenbar das Erklettern 500 Fuß hoher Klippen ein. Die Crew war nicht froh darüber und fühlte sich arglos missbraucht für des Skippers eitle Liebedienerei. Jedenfalls verließen wir diesen Schauplatz des nachmittäglichen Leidens der Crew am nächsten Morgen und fuhren zu den Ilhas Selvagems.
Nach den (wie ich, gezwungen zu dem hohen Ausblick, zugeben muss) eindrucksvollen Desertas waren die Selvagems etwas enttäuschend, besonders nach den Anpreisungen der Liebenden, des Bösen Skippers und Anne Hammock. Es war ein bisschen wie von Louis VI Bureau zu Ikea Sofatisch, ein echtes Downgrading. Dementsprechend machte sich die Crew dort nicht einmal die Mühe, das Boot zu verlassen und gab sich stattdessen der Aufgabe hin, zwei weitere fantastische Pasta-Gerichte herzurichten (besonders bemerkenswert bei dem anscheinend intensiven Verrottungswunsch eines jeden Stücks frischen Gemüses oder Obstes an Bord). Bald jedoch fand sich Euer knospender Held in einer Bar neben dem Liegeplatz in Las Palmas. Diesen hatten wir gewählt wegen des bescheidenen Preises (die Einrichtungen waren sogar sehr bescheiden), und wir entschieden und für eine temporäre Mitgliedschaft im lokalen Yachtclub, um dessen bessere Einrichtungen maximal zu nutzen, einschließlich Pool und Sauna und billiges Bier (1,75 Euro das Glas). Abgesehen davon ist die größte Neuigkeit, dass meine Rosigkeit (nach einigem Pellen) endlich braun wird (hurra).

12 Nov 2007 11:17,

Las Palmas In der vergangenen Woche wurde die Crew von dem Bösen Skipper in sengenden Temperaturen wie ein Sklave zur Arbeit getrieben, bei durchschnittlich über 30° täglich und bei gerade mal einem Glas oder zwei am Abend gegen seinen unstillbaren Durst. Und, weil man einen Mann an seiner Arbeit erkennt, hat der Sklave sich als meisterlicher Handwerker erwiesen, hat Windfahnen und andere wunderbar technische Ausrüstungen mit eigenen Händen und den unzureichenden Werkzeugen erschaffen, die der Böse Skipper ihm zur Verfügung stellte. Er hat gegen eine magische Liste von Arbeiten gekämpft, die immer länger wurde, je mehr erledigte Aufgaben er darauf ausstreichen konnte. Außer von Arbeit wurde die Crew von einer Reihe skandinavischer (und anderer) Yacht-Anhalter belästigt, die herumgehen und jedes Boot, das Crew benötigt um eine Passage über den Atlantik anhalten. Aber, bezeichnenderweise, nie wurde unser Held gefragt, und es ist offensichtlich (durch den gehetzten, fast ängstlichen Blick in ihren Augen), dass sie alle von der Unternehmung tief beeindruckt waren und fühlten, dass sie niemals der Crew der “Ariel” auch nur das Wasser würden reichen können. Im Gegenteil zu unbotmäßigen Erklärungen, die ich aufgeschnappt habe, ist dies nicht, weil wir nur ein kleines Boot haben, auf dem sie keinen Komfort oder auch nur Platz erwarten könnten. Es ist auch nicht weil all die anderen Boote mindestens dreimal so groß wie wir erscheinen. Wir mussten auch mit etlichen Leuten plaudern, die (durch verschlossene Türen) auf unseren Steg gelangten, ohne irgendeine Verbindung zu einem der Boote zu haben, und wir quittierten ihre Überraschung / Ungläubigkeit / Feindseligkeit mit einem Lächeln. Für die Uneingeweihten sollte ich wohl eine Übersetzungshilfe geben, um den typischen Wortwechsel verstehen zu können, der vom Schwimmsteg aus unserem Boot gewidmet wurde:

Hallo = Hallo, hör doch mal eben mit der Arbeit auf, deren schwierigsten Teil Du gerade tust, damit ich Dir meine ungebetene Konversation aufdrängen kann.

Hi = Meine angeborene englische Höflichkeit veranlasst mich, mitten in besagter Arbeit aufzuhören und Deine Erkundigungen zu beantworten. Allerdings ist mein Ziel, die Unterhaltung so kurz wie möglich zu machen, damit ich zurück an meine Arbeit und weg von Deiner Konversation komme, die, ehrlich gesagt, kaum aus mehr besteht als das, was ich heute schon x-mal gehört habe.

Segelt Ihr die ARC? = Wie könnt Ihr die ARC in DEM DING segeln? Wusste gar nicht, dass man da auch Dinghis reinlässt. Warum segelt Ihr keine hübsche 40+ft Yacht, wie jeder andere auch? Was stimmt bloß nicht mit Euch?

Ja, machen wir = Da oben ist die ARC Flagge, wir sind am Steg mit all den anderen. Ist das nicht offensichtlich? Und die ganze Fragerei und Deinen bedauernden Ton kannst Du Dir sparen.

Ganz schön kleines Boot = Im Ernst, was habt Ihr vor? Mich würdest Du nicht 1400 Meilen vom Land kriegen in dem kleinen Ding. Da bin ich doch lieber auf einer Yacht mit Einbaudiesel und Helikopter Landeplatz für Notfälle.

Ja, sie ist schon klein aber stabil und seetüchtig = Sieh mal, wir sind von England hierher gekommen, wir wissen verdammt gut, dass wir (bei weitem) das kleinste Boot in der Rallye sind, und dass Du das vielleicht seltsam findest. Aber wir haben offensichtlich genug Vertrauen in unser Boot und dass wir sicherheitsmässig ok sind und dass wir für drei Wochen oder so auf Komfort verzichten können. Das haben wir alles sechs Monate lang getestet, und jetzt Schluss damit.

Wird nicht sehr komfortabel = Nee, da kriegste mich trotzdem nicht drauf! So jung und stur und ignorant!

Alles in Ordnung, wir wissen schon, dass es nicht sehr komfortabel wird = Siehe oben, Gehirn jetzt im Leerlauf.

Was glaubt Ihr, wie lange Ihr braucht? = Du scheinst ein Jahr Studienpause zu haben, aber glaubst Du, Du schaffst das in einem Jahr?

Drei bis vier Wochen, hängt vom Wind ab = Ja, stimmt, aber wir werden kaum das langsamste Boot sein.

Na dann, viel Glück = Ihr werdet es brauchen.

Danke = Tschüss jetzt!

Das ist natürlich ein parodiesierter Dialog, denn wir freuen uns doch über jeden, der kommt, sie zeigen doch alle nur ein höfliches und Anteil nehmendes Interesse. Wie auch immer, frag in solchen Situationen immer besser den Bösen Skipper, sprich mit dem glatzköpfigen Braunen, nicht mit dem grimmigen Roten. Der Braune glaubt sowieso, er weiß es besser.

Was noch? Der wache Leser wird sich freuen zu erfahren, dass der böse Skipper von seiner geliebten Anne Hammick abserviert worden ist. Nach buchstäblich tonnenweise Emails hin und her und ebenso vielen unnötigen Seemeilen hat Anne offenbar beschlossen, keine Emails von Henry mehr zu beantworten. Ich vermute, sie hat von ihm alles bekommen, was sie wollte, und ignoriert ihn jetzt. Aber Henry glaubt immer noch daran, dass sie ihm ihren neu aufgelegten „Pilot of the Canary Islands“ schicken wird - oh Liebesblindheit.
Wir gingen gestern auch auf einen kleinen Spaßtrip die Küste runter nach Taliarte, auf dem die Welt umgekehrt und die Crew der Skipper wurde, für eine kurze Strecke, oh Schande! Sturmsegel wurden gesetzt, alle Reffs eingebunden, und das bei 1,5 Bft. Wir übten auch einige Mann-über-Bord-Manöver und hatten viel Spaß daran, einander aus dem Wasser zu bergen, während wir uns bewusstlos stellten. Die Crew (jetzt wieder Crew) hatte damit viel weniger Probleme als der Skipper. Dies ist freilich nur meinem überragenden Geschick und meiner Kraft zuzuschreiben und nicht etwa, wie dreist behauptet wurde, gewissen Gewichtsunterschieden. Nach soviel Mühen unter Segel und Motor gönnten wir uns am Abend ein gutes Abendessen auswärts und kamen am Morgen danach etwas später hoch als geplant.

Heute öffnete das ARC Büro, und wir konnten endlich einiges offizielles Zeugs einkaufen. Der Böse Skipper redet von irgendwelchen Seminaren, aber die Crew ist begeistert von den ARC Memorabilien. Heute gingen auch die Partys los, mit freien Getränken von der Art, die die Crew am liebsten mag.

Damit Ihr es nicht vergesst, oder etwa gar nicht wisst: Wir wollen mit unserer Unternehmung Spenden für eine wohltätige Organisation generieren. Wenn Ihr auf www.justgiving.com/timothyfosh guckt, dann findet Ihr etwas Information zum Samantha Dickson Trust und über dessen und unsere höheren Absichten. Was dort steht, habe auch ich geschrieben.


28. Nov. 2007 12:26

Dritter Tag auf See! Mittagsposition 24:19N, 19:38W. Endlich habe ich meine Seebeine wieder und kann etwas schreiben - im Cockpit, es ist ein wunderbarer Tag, blauer Himmel, flauschige Wölkchen, tiefblaues Wasser und ein leichter Wind. Hmmm wir machen etwas über vier Knoten SW. Werden also Mitte Januar Brasilien erreichen, wenn es so weitergeht, aber es gibt gute Chancen, dass der Wind am Freitag auffrischt und uns zum wahren Passatwind treibt, damit wir auf St. Lucia zuhalten können. Wir machen nicht viel, gewöhnen uns nur daran, auf See zu sein, versuchten, nicht daran zu denken, wie lang drei Wochen sind. Wir schlafen viel, essen zu unmöglichen Zeiten. Höhepunkt des Tages heute Nachmittag: Eine Eimerdusche für mich. Oh ja, das Leben hier draußen hat viel Adrenalin, und ich genieße es! Ich sollte etwas Strom sparen, damit Euch der Schiffsjunge wieder etwas mit seinem Witz unterhalten kann. Der echte Höhepunkt bisher war allerdings wirklich der erste Nachmittag: 200 Boote auf einmal am Start, laute Musik und ein toller Abschied. Und gleich ein neuer Rekord für „Ariel“, 12,5 Knoten im Surf von der Welle! Und die besten Delfine, die wir bisher gesehen haben; einige sprangen bis drei Meter aus den Rücken der großen Wellen. Vielleicht hat Foshy welche auf Video.


30 Nov 2007 13:37,

Fünfter Tag auf See - Update von der Crew Blasende Wale, Böen bis Stärke neun, Wetterleuchten, Beinahezusammenstöße mit anderen Schiffen, Wasserhosen, Atom-U-Boote, kaltes Bier - nichts von alledem haben wir erlebt oder genossen. Stattdessen informiert mich der Skipper gerade eben, dass die Aussicht von der Klo-Pütz unvergleichlich sei. Wette, die in den anderen Booten beneiden uns darum! Routine hat Einzug gehalten, und wir sind ziemlich glücklich dabei. So glücklich, wie man nur eben sein kann, wenn man nie länger als drei Stunden am Stück schläft. Wir hören uns beide Stück für Stück durch ein Harry Potter Hörbuch, und das lässt uns verschroben miteinander reden wie Hogwarts-Schüler; Harry Potter ist zur Zeit das Einzige, was wir von der Welt draußen hören. Wir haben sogar einmal geschafft, Scrabble zu spielen (gar nicht so einfach auf einem derart rollenden Boot) und etwas Karten, während dauernd mein kulinarischer Genius seinen höchsten Standard erfüllt. Hoffentlich kommen wir in ein paar Tagen aus diesen leichten Winden heraus und können endlich etwas schneller segeln, denn es wird auf Dauer etwas deprimierend, keinen Tag über 100 Meilen zu schaffen. Ich möchte doch Weihnachten irgendwo sein. Wen es interessiert: Mein Bart wächst zügig, und ich werde sicher wie ein Rhododendron Busch aussehen, wenn wir ankommen. Soviel für heute, da wir Batteriestrom für so Zeug wie Wetterbericht und Positionsmeldung sparen müssen.


01 Dec 2007 12:13

Position: 21:58N, 24:40W Endlich schöner kräftiger Wind! Soll allerdings morgen schon wieder einschlafen. Werden von einem geheimnisvollen deutschen Boot verfolgt. Die sind jetzt seit über 24 Stunden auf unseren Fersen... Alles bestens soweit!


04 Dec 2007 14:18

1000 Meilen geschafft! Position 19:27N, 30:58W So, jetzt haben wir also schon 1000 Meilen hinter uns, jetzt müssen wir uns wohl wirklich zu dieser Atlantikquerung bekennen: Zurück wäre schwierig. Wie hatten ein paar gute Etmale, was immer die Stimmung hebt, und ich rate mal, dass wir vielleicht schon in 15 Tagen oder so in Rodney Bay sein können; das ist ja gar nichts! Besonders nicht jetzt, wo wir schon den Adventskalender angefangen haben. Wir haben Henrys 1000 Meilen-Carepaket geöffnet (das 2000 Meilen Paket ist von meiner Mum und kommt später dran) und haben jede menge Leckerchen gefunden. Neben den vielen Süßigkeiten war da eine kleine Flasche Sekt, jede Menge Kekse und Küchlein und Rätselhefte (klasse, dann muss ich mich nicht so um Konversation emühen). Sehr aufregend waren die Mint Brause und der Adventskalender, die uns in Weihnachtsstimmung versetzen sollten. Genau das ist hier draußen etwas schwierig, nicht etwa wegen meines profanen Wesens sondern weil wir seit vier Tagen offiziell in den Tropen segeln, und das bei ziemlich unweihnachtlichen Temperaturen. Die nächsten Tage genossen wir etwas stärkeren Wind (bis Stärke sechs), und so knabbern wir an der 140 Meilen-pro-Tag Rekordmarke, und das nur unter dem doppelt gerefften Groß. Sollte uns auch beim Schleppangeln helfen, denn dafür braucht man hier angeblich um die sieben Knoten Speed. Obwohl so ein Grünschnabel würde ich dem doch schon jetzt gern widersprechen, denn gleich bei unserem ersten Versuch im Hochseefischen vor drei Tagen haben wir nach nur drei Minuten eine 12 Pfund Dorade gefangen, ohne auch nur die Leine ganz aufgefiert zu haben. Der Böse Skipper war ganz leutselig und prahlte, er würde seinen Durchschnitt von 4 Pfund Fisch pro Minute bestimmt halten. Seine Popularität schwand dann aber rasch, als er keinen weiteren Fisch hervorbrachte. Nur ein einziger Fliegender Fisch platschte letzte Nacht an Deck.


08 Dec 2007 13:30

Bergfest Nun, es scheint, wir haben die Hälfte geschafft! Jedenfalls nach unserer groben Schätzung. Noch ca. 1200 Meilen vor uns bei etwa 1500 im Kielwasser. Dreieinhalb Tage war es ziemlich nass bei recht starkem Wind, und wir sind leider doch eher langsam. Schließlich ist dann wie auf Wunsch (wenngleich mit etwas Verzögerung) die Sonne herausgekommen und blinzelt gelegentlich durch die Wolken. Eine solche Menge Wolken hatte der böse Skipper verschwiegen, als er mir die Fahrt als sonnige Kaffeefahrt verkaufte. Viel weniger war die Rede von der Möglichkeit dieser massiven Gewitterfronten, hinter denen wir uns bemühen, zurückzubleiben. Er hat zwar irgendwas von Regenschauern gesagt, und davon besuchen uns reichlich. Aber wir sind darauf vorbereitet. Wir pöttern lieber langsam hinterher, in vergleichsweise leichtem Wind, ohne je die Pinne oder die Segel anfassen zu müssen. Ehrlich gesagt, passiert bei uns nicht viel, wir werden nass, schlafen, stehen auf, werden wieder nass, zwischendurch essen wir hin und wieder und hören uns Hörbücher an. Mit den Tagesetmalen sind wir hochzufrieden, deshalb ist unsere Stimmung sehr gut, immer bis wir in die feuchte Koje kriechen. Gerade eben ist Henry in Boxershorts auf Wache von einem Regenguss überrascht worden, während ich trocken und gemütlich in der Koje liege und dies schreibe. Also werde ich mir in meiner Güte doch das Ölzeug anziehen und ihn mal ablösen.

Bis bald! (Übersetzung: Michael Hundrup)

Fortsetzung   >> Weiter in die Karibik ...

Ein Sommer mit HABIBI

Strande- Damp- Höruphav- Dyvig- Middelfart

Wochenlange akribische Planung, herrlicher Wind, tolles Wetter, endlich laufen wir mit "Habibi" aus der Strander Bucht aus und starten unsere lang ersehnte Tour Richtung Dänemark.

Wir, das sind Christoph, begeisterter Sunseeker- Fahrer und ich- zwar auf einem Folkeboot aufgewachsen, aber null Erfahrung im alleinigen Umgang mit dem Schiff.
Nach wochenlangem Training, Aufschiesser hier und da, von einem Hafen zum nächsten unter Motor, Mann- über- Bord Manöver etc, nun mussten wir das Ganze nur noch in die Tat umsetzen...

 

 

 

 

Fazit der Tages:
Ist der Segler früh dabei, bleibt er abends sorgenfrei.

Nach einer überraschend gemütlichen ersten Nacht (trotz oder gerade wegen getrennter Kojen?) und einem ausgedehnten Frühstück packte uns nach der Erkenntnis des Vorabends der Übermut, den Hafen vor allen anderen zu verlassen und dabei vor allem nicht den Motor zum Einsatz kommen zu lassen. So gut unser Manöver geklappt hatte, so sehr hatten wir an unserer nächsten Aktion zu beißen, die gleich doppelte Ladung für die nicht vorhandene erste Bewährungsprobe war: Bei recht kräftigem Südwind ist Christoph, mittlerweile zum Matrosen aufgestiegen, mit wachsamem Auge das etwas lockere Vorstag aufgefallen, welches sich durch einen gebrochenen Bolzen gelöst hatte. Bewährungsprobe für Mensch und Material auf Höhe Falshöft. Nach Abschluss der provisorischen Reparaturarbeiten gab es ein – Gott sei Dank- noch gekühltes, zollfreies Dosenbier zur Beruhigung der sehr aufgewühlten Gemüter.

Angekommen in Höruphav war ein kurzer Fußmarsch nach zwei Tagen 3- B- Ernährung (Bier- Bouletten- Brötchen) bei Wind und Welle nach Sonderburg eine willkommene Abwechslung. Leider entpuppten sich die gemessenen 6km als gefühlte 20km und die frisch eingetauschten Kronen wurden in eine Busfahrt zurück nach Höruphav investiert- aber wir sind ja schließlich auch zum Segeln gekommen und nicht zum Wandern!

Zurück am Boot fachsimpelt man unter Folkeboot Seglern über alles Mögliche, aber vor allen Dingen hilft man sich auch gegenseitig aus. Unser provisorisch reparierter Bolzen wurde fachmännisch repariert und hat für die restliche Fahrt sicher gehalten. An dieser Stelle ein großes Dankeschön nach Hamburg.

 

Fazit der Tages:
Mit Ruhe, Gelassenheit und dem seglerischen Zusammenhalt löst man jede Herausforderung.

Nach zwei Tagen erster gemeinsamer Seglererfahrung, gutem Timing und einer Portion Glück haben wir die Aalsensund- Brücke unter Segeln passiert- wer braucht schon einen Motor?!
Trotz Vorsprunges auf alle anderen Schiffe durfte der erste Matrose nicht ruhen und wurde ununterbrochen aufgefordert, Niederholer und Unterliek Millimeter genau zu justieren- man hat im Folkeboot schließlich einen Ruf zu verlieren!
Allein um unser nächstes Ziel Dyvig zu sehen lohnt es sich jedoch den Aalsensund hochzuarbeiten. Schon die 3m schmale Durchfahrt – ein Meter, wenn einem noch ein größeres Schiff entgegen kommt- signalisiert die Besonderheit des Hafens- allerdings wollen wir hier auch nicht zu viel verraten; diese Stimmung muss man wirklich auf dem eigenen Folkeboot erlebt haben. Es lohnt sich!!!

 

Fazit:
Insider Tipps sind immer noch die besten!

Den Lille-belt bei wunderschönem Wetter überquerten wir am nächsten Tag, ein wenig mehr Wind wäre wünschenswert gewesen- allerdings sind wir so endlich dazu gekommen, unseren Linseneintopf zu kochen und uns die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen. So dümpelten wir langsam aber sicher Richtung Ärösund und mussten am Ende des Tages doch noch den künstlichen Antrieb hinzuziehen. Motor war halt doch keine so schlechte Idee.
Der Fährhafen auf Ärö ist schon an sich ein kleines Highlight- wobei klein hier betont werden muss, passt aber somit ganz gut zur Insel, die wir sogleich bei einer abendlichen Joggingtour umrundet haben.
Bei der Rückkehr zum Boot wurden wir mit einem norddeutschen „Moo-hoin“ von unseren Päckchen- Nachbarn aus Damp empfangen, die witzigerweise exakt dieselbe Strecke mit kleinen Abkürzungen wie wir gesegelt waren.
Unsere guten Vorsätze, auf die 3- B- Ernährung zu verzichten, wurden schnell über Bord geworfen und der Abend endete früh morgens mit einem Turnstück (Bewährungsprobe Nr. 3) von dem Hamburger Schiff.

 

Fazit:
Folkeboote liegen perfekt auf Steghöhe, um sich auch nach lustigen Seglerabenden nicht die Knochen zu brechen- und falls man doch fällt, landet man Dank der Schwerkraft ohnehin an Deck.

Auch wenn der erste Matrose nach harter Nacht noch gerne seine Koje gehütet hätte, bestand der Kapitän mal wieder darau,f das erste Boot auf der Piste zu sein. So ging es dann mit schneller Überfahrt nach Middelfart, wo wir endlich unsere Bouletten gegen einen ersten wohl verdienten Hotdog eintauschen konnten.
Den letzten Abend unseres ereignisreichen Kurztrips haben wir uns zwei saftige Steaks vom örtlichen Metzger auf unserem Zwei- hand- breiten Minigrill gegönnt und konnten uns mit letzter Kraft und unzähligen Verteidigungsmanövern gegen die Möwenschwärme bewähren, die ein Auge auf unser Abschlussessen geworfen hatten.
Wie in jedem Urlaub gingen die Tage unwahrscheinlich schnell rum, trotzdem hatten wir sehr viel Spaß auf dem VW- Käfer der Meere, wo noch ehrlich gesegelt und spartanisch gelebt wird, und bedanken uns an dieser Stelle noch einmal beim Eigner Egon für seinen Mut und sein Vertrauen.

 

Fazit der Woche:
Im kommenden Jahr mehr Zeit nehmen!

PS: Für alle, die sich fragen, warum unsere Tour im Norden endete und wir das Schiff nicht zurückgesegelt haben:
Natürlich haben wir "Habibi nicht im Stich gelassen. Wegen der schlechten Wetterbedingungen haben wir sie nach Kiel zurück getrailert.

Bermuda ...

3. May 2008 Land Ahoi!
Position: 24:03.5N, 74:32.2W

Dank Neptun wieder auf festem Boden! Nach zwei Tagen mit Starkwind aus nördlichen Richtungen, in denen Ariel nur so dahinflog. Unter dreifach gerefftem Groß (das heißt Sturm) ist sie aber auch eine Menge herum gesprungen in einer konfusen See. Muss ich sagen, dass ich ein paar neue Lecks entdeckt habe? Dann heute morgen, gerade zum Sonnenaufgang angekommen, bin ich sofort an Land gesprungen, um mich mal wieder ruhig hinzusetzen. Es fühlt sich gut an, einmal dieses Macho-Einhandsegel-Ding probiert zu haben, aber zu zweit ist doch klar besser - man kriegt etwas Schlaf! Morgen geht es nach Conception Island, einem verlassenen Vogelschutzgebiet mit vier Meilen Korallenriffs, dann nach Georgetown, dem Fahrtenseglerzentrum, wo ich meine Mama treffe!


4. May 2008 Was ein Whopper!
Position: 23:57.8N, 74:59.1W

Heute habe ich den größten Fisch der Welt gefangen. Eine 8 oder 9 Kilo Dorade. Musste richtig mit ihr kämpfen, mit Gummihandschuhen an! Hab sie aber wieder schwimmen lassen, hätte sie nie essen können vor dem Verfallsdatum.


6. May 2008 Georgetown
Position:23:51.2N, 75:07.3W

War insgesamt etwas sauer auf das Lagunenrumsitzen und das Herumgeworfenwerden allein auf hoher See. Sehr undankbar von mir. Hoffe, Ihr freut Euch zu hören, dass heute alles viel besser aussieht. Habe erstmal 14 Stunden geschlafen. Dann leichtes Vorwindsegeln. Bin wie nix angekommen auf dieser wunderbaren kleinen Insel namens Conception. Nur drei Boote vor Anker in der sandigen Bucht, keine Häuser, nur Kakteen und jede Menge Korallensand. Und dann ging ich Schnorcheln, um den Anker zu prüfen, da war er, ein anderthalb Meter-Hai kaum drei Meter von mir entfernt. Dachte, dass Angstinkontinenz vielleicht ein natürliches biologisches Abwehrmittel wäre, als er noch näher kam. Bis auf weniger als zwei Meter. Habe lange nachgedacht, ob das übertrieben ist, ist es aber nicht. Dann verlor er das Interesse an mir. George, der Große Barracuda, den ich knapp 60 Sekunden später traf, war kein Vergleich mit nur 1,20 Meter. Er trollte sich unter meinem Adlerblick. Und dann kam da plötzlich dieser komische Neanderthal-Hummer ohne Zangen. Dachte, der wäre perfekt fürs Abendessen aber ließ ihn gehen. Bin halt ein echter Softie. War auch etwas abgelenkt durch die Schulterblicke nach meinem Hai. Bestes Schnorcheln meines Lebens? (Höre mich an wie eine Heineken Reklame.)


Position: 23:30.3N, 75:46W

Bin in Georgetown nach 45 Meilen Motorsegeln von Conception Island angekommen. Liege jetzt vor Anker in ‚Kidd Cove‘, gleich neben der Stadt Hier kostet Süßwasser nichts! Bunkere also voll für Mums Ankunft morgen und ihre Duschbedürfnisse. Wir wollen zusammen eine Woche Inselhüpfen, und dann kommt der nächste Hochseeschlag, so etwa 850 Meilen oder 8 Tage nach Bermuda.


8. May 2008 Georgetown
Position:23:51.2N, 75:07.3W

Henry und seine Mum, also ich, genießen Muscheln und ein Bier in einer überfüllten, wackeligen Bar im verschlafenen George Town. Die „alte Fledermaus“ (‚Myf‘, kurz für Myfanwy Adams, Anm. d. Übers.) musterte gestern Abend auf der auffällig geschrubbten „Ariel“ an, und seitdem ist der „böse Skipper“ artig. (Irgendwelches Rumscheuchen der arglosen Crew, und ich werde ihm die Ohren langziehen.) Der Skipper sieht wettergegerbt und salzbucklig aus mit der Imitation eines Bartes. Kein Unterschied zu all den anderen bärtigen Gestalten, die in salzfleckigen Shorts mit Laptop unterm Arm herumgeistern auf der Suche nach einem freien Internet Zugang. Gut geschlafen und die hygienischen Einrichtungen von Ariel (Pütz) bisher unfallfrei getestet bin ich bereit für ein paar Tage Strolchen durch maritime Wildnis und türkise Flachs, kleine Atolle, Riffs und Buchten, bevor wir unsere Lenden gürten für den Sprung nach Bermuda.


12. May 2008 Georgetown
Position:23:51.2N, 75:07.3W

Alles perfekt! Naja, fast alles. Absoluter Backofen! Skipper kühlt sich, aber die menopausale Crew ist an Schwitzen gewöhnt. Gestern mussten wir motoren, aber heute war schönes Segeln, draußen im Sund, wo etwas frischerer Wind weht. Ich grüße alle Yachties wie alte Bekannte, obwohl ich die meisten zum ersten Mal sehe. Sie sehen alle gleich aus (Skipper eingeschlossen, nur etwa 40 Jahre jünger als der Rest) - eine ozeanische Art alter Sonderlinge. Konversation ist manchmal etwas schwierig, weil unser Skipper nuschelt und die Sonderlinge großenteils etwas schwerhörig sind. Ernährung: Nun ja, etwas rudimentär auf „Ariel“, und doch ist der Skipper stolz auf seine Kulinarik. Ich wundere mich selber, was wir hier so zusammenbrutzeln ohne nennenswerte Ausrüstung. An Land haben wir es bisher nur zu Schneckenmuscheln und Zackenbarsch Fischstäbchen gebracht, die gibt es nämlich überall (im Prinzip alles gleich - zermatschter Fisch). Aber heute Abend haben wir diese paradiesische Beach Bar gefunden, wo es so genannte Delfinsteaks gab (keine Sorge, nicht wirklich Flipper), und das war himmlisch! Wir sind bis Norman‘s Cay hinausgekommen. Die Exuma Cays sind eine Kette kleiner Inselchen und Felsen, meist völlig kahl, mit nur ein paar bewohnten Buchten. Und so ist es eben hier, bei unserer Beach Bar. Wir machen soviel wie möglich aus dem kulinarischen Angebot, bevor es wieder tagelang Pasta mit Dosensoße geben wird. Höhepunkt: Ankern bei irgendeiner einsamen Insel, an Land schwimmen zur Leguan Beobachtung. Einer startete sofort in unsere Richtung, da habe ich mich gut freigehalten und den Skipper die Bekanntschaft schließen lassen. Habe auch die verwilderten Schweine auf einer anderen Insel verpasst, obwohl ich sie habe quieken hören. Schwimmen inmitten tausender kleiner bunter Fische in der Thunderball Grotte: Ich hatte gehört, man müsse erst drei Meter tief tauchen, um in die Grotte zu gelangen. Und ich hatte noch nie mein Gesicht mit einer Tauchermaske richtig ins Wasser gesteckt, ohne Panikattacken zu bekommen. Als wir aber an die Höhle herangeschwommen waren, war ich euphorisch („Eureka, ich kann schnorcheln“), und darüber, dass wir gar nicht tauchen mussten, um hineinzukommen. Drinnen wurden die von uns zu Stars erhobenen Bewohner so übermütig, daß einer den Skipper in den Rücken zwickte. Aber der magischste Ort von allen war ein Korallenausläufer hier, an dem wir stundenlang schnorchelten. Es war so voller Fisch da wie in einem komprimierten Naturfilm. Ein großer Rochen schwamm unter dem Boot, und große, feiste Rote Seesterne überall, und dann letzte Nacht, dieser Nonnenhai, der dauernd unterm Boot lungerte. Das Wasser war so klar und durchsichtig und türkis wie in einem Schwimmbad, aber wir konnten uns doch nicht entschließen, reinzuspringen, obwohl Nonnenhaie ja harmlos sein sollen. Und heute, draußen im Sund, beobachteten wir über eine Minute lang einen Atlantischen Segelfisch, der mit seinen gut drei Metern Länge aus dem Wasser schoss und einen anderen, vielleicht sechzig Zentimeter langen, Schlanksilbernen verfolgte. War das Aufregend! Und dann per Gummientchen (Dinghi) zurück zu unserem Schwimmenden Palast!


Position: 24:42.5N, 76:49.3W

Morgen geht es los nach Bermuda! Das Wetter scheint brauchbar: Erst zwei Tage Kreuzen, dann soll es raumen und uns rüberblasen. Keine Sturmwarnungen, gut gebunkert, Batterien geladen, bleibt nur noch, das Vorluk mit Dichtmasse zu schalken und ein paar hartnäckige Leckagen gleich mit zuzukleistern.


14. May 2008 Mittagszeit
Position: 24:45.2N, 75:39.2W

Kämpfen uns gegen einen Nördlichen von der Bahama Küste frei, dann weiter kreuzen, die ganze Nacht, um die Lücke zwischen Eleuthera und Klein San Salvador zu erwischen. Alles seefest und wir voll bis obenhin mit Stugeron - also nicht seekrank!


15. May 2008 Mittagszeit
Position: 25:02.3N, 74:23.3W

Weiter hart am Wind - wird eine raue Überfahrt. (Ich hasse, hasse kreuzen) aber endlich dreht der Wind ein bisschen nach Ost, sodass wir fast Bermuda anliegen können, „nur“ 673 nm entfernt.


16. May 2008 Mittagszeit
Position: 27:43.2N, 71:24.2W

Nettes kleines Mittagessen aus Obstkuchen und einer Orange. Die Angelleine ist achteraus, aber wir fangen nur Seegras. Und endlich: Hier ist der Wind, den wir wollten - SW4 - der uns hübsch schnell nach Bermuda blasen sollte - vielleicht nur vier Tage?


17. May 2008 Wir kommen näher
Position: 28:20.2N, 69:30.2W

„Super Segelbedingungen“ ruft der Skipper und grinst von einem Ohr zum anderen. „Ja, ja“ denkt sich die Crew, während wir schlingernd von einer Welle heruntersurfen. Mit den Füßen stoppe ich die Waschschüssel, die gerade ihren Inhalt ins Cockpit schwappt, eine Hand hält die Spülbürste, während die andere krampfhaft nach irgendeinem Halt sucht, alle Muskeln fortwährend angespannt sind (besonders alle Schließmuskeln). Das ist fortgeschrittenes Pilates...
 

18. May 2008 Mittagszeit

Tja, heute alles anders. Wir pudeln hier so rum, auf spiegelglatter See mit einer sanften, langen Dünung und nur einem Seufzer Wind. Sehr angenehm. Heute Morgen sogar Haare gewaschen und solar-geduscht, wenn auch sitzend im Cockpit, darum jetzt wieder zu allem bereit. Es fällt schwer zu entscheiden, was besser ist: bequem voranzutrödeln und zu hoffen, die Bermudas bis zur Pensionierung zu erreichen, oder doch lieber daherzurasen wie ein kreischender Brummkreisel, nass, voller Angst und Muskelschmerzen von der Anspannung, aber nur wenige -zig Stunden bis zur Ankunft. Ein nettes Mittelding würde mir gefallen... Insgesamt hatten wir bis jetzt Glück mit dem Wetter. Jetzt hoffen wir freilich auf etwas mehr Wind, um uns gerade soviel voranzubringen, dass wir Mittwoch in Bermuda sind. Mir wird es jetzt wirklich zu lang. Wenigstens ist keiner von uns seekrank. Glaube, das liegt an der Menge des guten alten Stugeron in unserem Blut - weiter so, alter Freund! Mein anderer Freund heißt „Pütz“. Eine Hassliebe, wenngleich ich nicht annehme, dass ihm das was ausmacht, egal wie vertraut wir miteinander sind. Der Skipper versteht nicht, wieso ich immer in Gesellschaft von „Pütz“ sein muss. Hoffe, zu erleben, wenn sein Muskeltonus im Alter schlapper wird, um ihn dann auszulachen! Aber um gerecht zu sein, er hat heute dank der Flaute ein kleines Kombüsenwunder vollbracht, knuspriges Eierbrot mit Schinken, Käse und Tomaten zu Mittag. Was ein Fest, gemessen an der üblichen Verpflegung. Er ist jetzt ein Teil seines Bootes, Osmose nehme ich an, nach all der langen Zeit auf dem Hintern im Cockpit. Henry formt sich seinem Boot an. Letzte Nacht auf Wache habe ich meinen ersten Fliegenden Fisch an den Kopf gekriegt. Autsch!


19. May 2008 Endlich Wind!
Position: 30:08.4N, 68:05.8W

Durchschnittsgeschwindigkeit jetzt über sechs Knoten. Hoffen ,Mittwochmorgen da zu sein!


23. May 2008 Bermuda!
Position: 32:17.5N, 64:47W

Freuden des Landlebens! Jetzt, wo das Land endlich aufgehört hat, zu schwanken. Sehr früh gestern Morgen sind wir hereingeschlüpft, nach einer ungemütlichen Nacht mit unsteten Winden, Gewitterwolken, Blitzen und gelegentlichen Sintfluten. Da ich mein Morgen-tête-à-tête (oder Po-à-Rand) mit „Pütz“ so lange aufgeschoben hatte, gab es am Ende keine Alternative mehr zu öffentlicher Nacktheit im Cockpit. Es fühlt sich schon recht verletzlich an, wenn man mitten auf dem großen Ozean in einem schaukelnden Cockpit nackig auf einem kippeligen Eimerchen sitzt, bei strömendem Regen und mit Blitzen rundherum. Armer Henry - wie erleichtert er sein muss, seine Ariel wieder für sich allein zu haben. Keinem Skipper mit Selbstachtung sollten nackten Körperenden seiner Mutter im Boot zugemutet werden. Wir sind im Himmel angekommen! Mark Twain, der oft im Winter per Boot hierher kam, sagte, er würde jederzeit durch die Hölle reisen, um in diesem Himmel zu landen. Wir feierten uns mit Kaffee und Brötchen an Land, da es Frühstückszeit war und einem kleinen Drambuie auf „Ariel“. Dann sollte es beschwingt weitergehen, durch den Binnenwasserweg in den Sund hinter den Riffs hinein und rüber bis nach Hamilton, zum Royal Bermudan Yacht Club. OK, es war windig, aber es war ja nicht weit, und wer braucht schon für eine so kurze Passage Ölzeug? GROSSER FEHLER! Wir brauchten mehrere Stunden, um den Sund zu kreuzen, immer gegen 6 bis 7 Bft, in Böen bestimmt 8. Schlimmer als alles, was uns bislang auf dem offenen Atlantik begegnet war, und so waren wir klatschnass, müde und durchgefroren. Aber es war die Mühen wert! Ein wunderschöner Club, die netten Leute hier, ich habe ein Zimmer mit einem Bett, das nicht schwankt und, Freude über Freude, eine eigene Toilette. Natürlich bin ich nur hierher ausgewichen, um Henry etwas mehr Platz auf Ariel zu lassen. Die letzten Tage auf See waren etwas ereignislos gewesen, wie Tage auf See meist so sind. Dennoch hatten wir ein paar „Begegnungen“: Eine ungemütlich nahe mit einem Containerschiff, das ein paar hundert Meter an uns vorbei stob, nachdem wir ein rasches Ausweichmanöver gefahren waren. Bei der anderen werden wir nie wissen, wie nahe sie war. Ich saß im Cockpit und genoss die Sonne und die ruhige See mit der Nase in einem spannenden Buch, als der Skipper plötzlich von unten kam und wortlos auf eine große Gestalt hinter uns wies, die gerade im schwülen Dunst verschwand. Das sah für uns wie eine Ölplattform aus, und wir waren ganz dicht vorbeigesegelt, ohne dass ich etwas bemerkte. Ich kann mir die Ölarbeiter vorstellen, die an ihrer Reling hingen und ungläubig auf das kleine Boot mit der alten Schachtel mit Strohhut an der Pinne mitten im Atlantik starren. Das war echtes Abenteuer! Ich bin froh, das alles erlebt zu haben, aber auch froh, nicht weitermachen zu müssen. Hut ab für die Erstcrew Tim Fosh und meinen bald hier für die Fahrt auf die Azoren erwarteten Nachfolger Jez. Beide genießen (?) längere Etappen als ich. Und ich bin voller Bewunderung für meinen Skipper trotz anders wirkender Demonstrationen mit „Pütz“.

(Übersetzung: Michael Hundrup)

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Atlantik Rund

- ein begeisternder Törn mit dem Nordischen Folkeboot

Was zunächst nur als Teilnahme an der ARC 2007 gedacht war, entwickelte sich zu einer einmaligen Rundreise, die zuvor so wohl noch nie mit einem Nordischen Folkeboot durchgeführt worden ist.

Zwei junge Engländer - Henry Adams (rechts) und Tim Fosh - starteten im Herbst 2007 in ihrem Heimatland zu dem lang ersehnten Abenteuer. Mit einem leicht modifizierten Sereinbau aus Dänemark segelten sie von England aus über Madeira auf die Kanarischen Inseln, wo alljährlich im November der Start zur Atlantik Rallye für 'jedermann' (ARC) stattfindet.

In 21 Tagen segelten sie über den Teich. Nach erfolgreichem Abschluss der Regatta, bei der die beiden den Preis für das kleinste teilnehmende Boot gewannen, interviewte Michael Hundrup - unser Mann für Presse und Öffentlichkeitsarbeit - den Skipper.

Lesen Sie hier, was Henry Adams zur Reise über den Großen Teich sagte.
 
 
Dann entschloss sich der Skipper, die Reise fortzusetzen, und nach Abstechern in die Karibik und auf die Bahamas in das Heimatland England auf der Nord-Route von West nach Ost zurückzusegeln - teils einhand, teils in Begleitung von Freundin oder Elternteilen. Im Sommer 2008 ist er gesund und munter wieder angekommen. Unsere FolkeNews haben in drei ihrer Ausgaben ausführlich über diese tolle Reise berichtet.

Sie, lieber Leser, können auf den nachfolgenden Seiten noch einmal den Schilderungen von Henry Adams folgen und sich begeistern an den Erlebnissen, die in einmaliger Weise auch die Qualitäten des Nordischen Folkeboots bei dieser Herausforderung beschreiben.

Viel Spaß beim Lesen!
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